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1. FC Nürnberg

Unbeschriebenes Blatt neuer starker Mann

Dr. Thomas Grethlein ist der neue Chef des Aufsichtsrats beim Club: Der gebürtige Nürnberger blieb als einziger Anwärter nach einigen Absagen übrig.
Von Lothar Röhrl

So sahen die gut 2000 Mitglieder Dr. Thomas Grethlein an der Großleinwand in der Franken-Halle, als er dieser seine Kandidatur begründet hat.Foto: Röhrl

Nürnberg.Eigentlich konnte es nur Dr. Thomas Grethlein werden. Denn Klaus Schramm war knapp eine Woche zuvor bei der Mitgliederversammlung des 1. FC Nürnberg quasi aus dem Amt gejagt worden. Unter 16 Kandidaten kam der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Schramm auf das neuntschlechteste Resultat (278 Stimmen). Auch Siegfried Schneider wurde aus dem Gremium – mit dem drittschlechtesten Resultat – gewählt.

Unter den Verbliebenen war mit Günther Koch einer der beiden bisherigen Stellvertreter des AR-Vorsitzenden. Doch Koch, der zumindest an diesem Abend die an eine Schmierenkomödie erinnernde „Bayern-Schal-Affäre“ ohne Schaden überstanden hatte, winkte schon wenige Minuten nach Ende der unvergesslich gewordenen Mitgliederversammlung ab. „Ich mache es nicht“, sagte Koch zur MZ kurz nach 3 Uhr. An diesem Montag, nachdem Koch sechs Nächte darüber geschlafen hatte, blieb er bei seiner Ankündigung. „Dann wird es einer der fünf Neuen machen müssen“, hatte Koch sieben Tage vorher noch gesagt. Günther Koch bleibt im AR, weil er noch ein Jahr Amtszeit hat.

Ziel drittbestes Resultat „verfehlt“

Und so ist es am Montag nach drei Stunden Sitzung des neu am Dienstag vor einer Woche zusammen gestellten Aufsichtsrats gekommen. Zwar schien lange der Schwabacher Stimmenkönig der AR-Wahl Stefan Müller als Favorit auf den Vorsitz zu sein, doch Müller zog noch vor Montag zurück. Also war auf einmal der „Geheimfavorit“ an der Reihe: Dr. Thomas Gerthlein.

Bei der Vorstellung am Dienstag vor einer Woche in der Franken-Halle hatte Gerthlein für die meisten echten Lacher gesorgt: Er wollte die drittmeisten Stimmen erreichen. Denn „Verther“ (Anmerkung der Redaktion: Vierter auf Fränkisch, aber auch phonetisch sehr nahe an der Bezeichnung der Einwohner der Nachbarstadt Fürth) wolle er niemals im Leben sein. Der 56-Jährige aus Nürnberg kam dann mit dem zweitbesten Ergebnis (835 Stimmen) hinter Stefan Müller (1007) ins Ziel.

Wohl auch, weil er sich deutlich von allen Lagern distanzierte. „Ich bin für miteinander und nicht übereinander reden. Der Aufsichtsrat ist ein Gremium und keine Ansammlung von Selbstdarstellern“, sagte Gerthlein damals in seiner Vorstellung. Und manche, die einen Neuanfang propagierten, verstießen selbst am meisten dagegen – schrieb Gerthlein seinen Gegenkandidaten, aber auch einigen Aufsichtsratsmitgliedern ins Stammbuch.

Ein Macher aus der Wirtschaft

Wer mehr über den am Montag quasi aus dem Nichts ins Rampenlicht beim immer für Krisen jeder Art anfälligen 1. FC Nürnberg gewählten neuen AR-Chef wissen wollte, brauchte nur ins kleine Heftchen zu schauen, das bei der Akkreditierung zur Mitgliederversammlung jedem Mitglied und Medienvertreter ausgehändigt worden war. Schwarz auf Weiß war über Dr. Thomas Gerthlein zu lesen, dass er seit 23. Mai 1991 Club-Mitglied sei. Aber schon in seiner Jugendzeit habe er als gebürtiger Nürnberger in der Clubjugend Fußball gespielt. Beruflich sei er in der IT-Branche engagiert. Nachdem er Personalleiter beim größten Arbeitgeber Thüringens – einem 5000 Mitarbeiter zählenden Unternehmen – gewesen war, sei er wieder nach Nürnberg zurückgekehrt, um ein Start-up-Unternehmen zu führen und eine kleine AG als Aufsichtsrat zu begleiten.

Als seine Stärke hatte Grethlein aufgezeichnet, dass er komplexe Situationen analysieren und gute Lösungen entwickeln könne. Klare Ziele seien für ihn auch beim 1. FC Nürnberg die Maxime, die er aus seinen Unternehmen her gewohnt sei. Mit seinem Mitwirken im Aufsichtsrat wolle er seine Erfahrungen aus der Wirtschaft in den Dienst des Vereins stellen.

Grethleins neue Stellvertreter sind der eine Woche zuvor klar gegen Koch Stellung beziehende Peter Schmitt und der in der Mitgliederversammlung auffallend betont unauffällig agierende Ralf Peisl.

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