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Verbände

Freiherr Guttenberg steht im Wald

Philipp zu Guttenberg vertritt die Interessen von zwei Millionen Waldeigentümern. Dabei wurmt ihn eine Sache besonders.
Von Christine Hochreiter, MZ

Philipp zu Guttenberg ist der Bodenständige in der Familie.
Philipp zu Guttenberg ist der Bodenständige in der Familie. Foto: AGDW/Gigler

München.Der kleine Bruder ist das Landei der Familie, wie er selbst sagt, der Bodenständige, der, der sich ein Leben ohne Wald kaum vorstellen kann. Am Meer hält es Philipp Freiherr zu Guttenberg nie lange aus. Und in der Stadt spürt er schnell die Sehnsucht nach frischer Luft und Natur. Wir treffen uns im Palaiskeller im Bayerischen Hof. Der Mann mit dem berühmten Namen sitzt etwas abseits. Für unser Gespräch platziert er sich mit dem Rücken zu den anderen Gästen. Im Gegensatz zum großen Bruder Karl-Theodor zieht es ihn nicht auf die politische Bühne. Auch medienwirksame Inszenierungen sind nicht so sein Ding.

Der „kleine Guttenberg“ hat Humor. 2011 nahm er den „Orden wider den tierischen Ernst“ des Aachener Karnevalsvereins stellvertretend für seinen Bruder entgegen. Als ironischen Wink auf seinen Bruder und dessen Doktorarbeit trat er dort im „Narrenkäfig“ als „Das Plagiat“ auf und begeisterte das Publikum.

Weil der Wald sein Leben ist („Der Wald war mein Spielplatz und ich brenne dafür“), hat Philipp zu Guttenberg vor fünf Jahren ein wichtiges Ehrenamt übernommen. Als Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) vertritt er die Interessen von zwei Millionen privaten und körperschaftlichen Waldeigentümern. Dazu zählen das Haus Thurn und Taxis in Regensburg mit dem größten Privatwaldbesitz ebenso wie Waldbauern im Bayerischen Wald. „Die Politik braucht den fachlichen Input“, erklärt Guttenberg sein Engagement, für das er inzwischen 90 Prozent seiner Arbeitszeit aufwendet. „Wenn ich die Möglichkeit habe, etwas zu verändern, dann tue ich das, auch wenn ich vielleicht lieber im Wald herumspazieren würde.“ Sein Credo lautet: „Wenn man eine Leidenschaft hat, dann muss man sich auch dafür einsetzen.“ Guttenberg ist mit dem Wald groß geworden, und die Familie lebt vom Wald. Daher verspürt er sowohl eine emotionale als auch eine rationale Bindung.

Das Holzland Nummer eins

Es ist ihm ein großes Anliegen, die Waldwirtschaft stärker in den Fokus zu rücken. Schließlich sei Deutschland das Holzland Nummer eins. Und die deutsche Branche genieße auch international den allerbesten Ruf. Philipp zu Guttenberg nennt einige Daten: Rund elf Millionen Hektar Wald gibt es in der Bundesrepublik. Das ist knapp ein Drittel der Landesfläche. Etwa sieben Millionen Hektar befinden sich in privater und körperschaftlicher Hand. Mehr als 450 000 Besitzer kleinerer Waldflächen haben sich in Forstbetriebsgemeinschaften und weiteren Zusammenschlüssen organisiert, um die Bewirtschaftung möglichst sinnvoll und ökonomisch zu gestalten. „Der deutsche Wald ist systemrelevanter als jede Bank“, betont der Interessensvertreter.

Die Forst- und Holzbranche hat 1,3 Millionen Beschäftigte und erwirtschaftet mit 180 000 Betrieben 170 Milliarden Euro im Jahr. In der Öffentlichkeit sei immer noch viel zu wenig bekannt, dass es sich um eines der größten und potentesten Cluster handle, sagt Guttenberg. In der Branche seien mehr Mitarbeiter beschäftigt als im Maschinenbau (850 000 Beschäftigte) oder in der Autoindustrie (knapp 800 000 Mitarbeiter).

Es gibt einen Run auf Wald

Der Wald spiele eine zentrale Rolle beim Klimaschutz und bei der Energieversorgung respektive der Energiewende. Letztere werde ohne den klimafreundlichen Energieträger Holz nicht gelingen, so der Waldpräsident. Holz sei nicht nur als Brennstoff einsetzbar. Es könne Plastik ersetzen, aus Holz könne man Klebstoff und Zucker herstellen und Holz spiele beim klimaeffizienten Bauen eine wichtige Rolle.

Spross einer berühmten Familie

  • Hintergrund:

    Philipp Franz zu Guttenberg entstammt dem gleichnamigen fränkischen Adelsgeschlecht. Er ist der jüngste Sohn des Dirigenten Georg Enoch zu Guttenberg und von Christiane Gräfin von Eltz. Sein älterer Bruder ist Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. In Schottland studierte Guttenberg Forstwirtschaft und Ökologie. Er ist verheirat und hat drei Kinder.

  • Engagement:

    Für Waldbesitzer engagiert er sich seit zehn Jahren. Seit 2010 ist er Chef-Lobbyist in Berlin: als Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände. Weitere Ämter sind: Präsidiumsmitglied des Deutschen Forstwirtschaftsrates und Vorstand der Plattform Forst & Holz. Für die Arbeitsgemeinschaft AGDW arbeitet er auch auf europäischer Ebene, als Vizepräsident der Confederation of European Forest Owners. (ti)

Gewinnstreben und nachhaltige Bewirtschaftung müssten sich die Waage halten. Zu Guttenberg selbst steht, wie er sagt, für eine „ökosoziale Marktwirtschaft“. Dabei setzt er weniger auf eine rigide Ordnungspolitik als auf die Eigenverantwortung der Waldbesitzer. Der Chef-Lobbyist betont, dass es unterschiedliche Arten von Waldeigentum gibt. In Bayern dominiere der bäuerliche Waldbesitz. Es gebe aber durchaus auch urbane Eigner. Derzeit finde ein unglaublicher Run auf Wald statt. Der Haken daran: Es verkauft kaum einer. Das bedeute, dass es keinen Markt für Wald gebe. Außerdem könne man mit Bäumen nicht wirklich viel Geld verdienen, sagt zu Guttenberg. Wenn man gut wirtschafte, käme man gerade mal auf eine Rendite von 1 bis 1,5 Prozent. Holz werde weltweit weit unter seinem Wert gehandelt. Die Holzpreise seien 1989 eingebrochen und befänden sich inzwischen nominal wieder auf dem Niveau von damals.

Das Thema liegt in den Genen

Philipp Freiherr zu Guttenberg, der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände
Philipp Freiherr zu Guttenberg, der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände Foto: dpa

Inzwischen sei die weltweite Nachfrage nach dem Rohstoff aber so groß, dass sie nicht mehr bedient werden könne. Holz wird weltweit gehandelt. Gleichzeitig sollen in Deutschland aber immer mehr nachhaltig bewirtschaftete Flächen stillgelegt werden. Dies bedeute eine große Gefahr für den ländlichen Raum. Schreiner oder Sägewerke fungierten dort als stabile Stütze – bisher. Zu Guttenberg sorgt sich, dass dies anders werden könnte. Die Forderung, fünf Prozent der Waldfläche in Deutschland nicht zu bewirtschaften, hält er für weltfremd. Wildnis bringe weder für die biologische Vielfalt noch für das Erholungsbedürfnis der Menschen einen Mehrwert. Würden die Pläne der Grünen umgesetzt, könnten bis zu 50 000 Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren.

Das Faible für Natur und Wald scheint in den Genen zu liegen. Auch seine drei Kinder seien davon infiziert, sagt der Wahl-Oberbayer, der mit dem Wissen groß geworden ist, „dass der Wald neben dem, was er an Erholung und Schönheit bietet, auch unsere Lebensgrundlage ist“. Philipp zu Guttenberg ist überzeugt: „Indem wir unser Eigentum bewirtschaften, geben wir auch etwas an die Gesellschaft weiter. Wir betrachten Privateigentum als Verantwortungseigentum.“

Dies geschieht auch, indem der AGDW-Präsident für die Belange der Waldbesitzer auf großer Bühne eintritt – auf Forstkongressen weltweit. Eines wurmt ihn aber schon: Dass seine Branche bei den Energiegipfeln in Berlin außen vor bleibt. „Ich kann nicht begreifen, dass diejenigen, die maßgeblich an der Energiewende beteiligt sind, nicht eingeladen werden.“

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