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Hier landen Ostbayerns Äpfel

Die Kelterei Nagler füllt in Regensburg jährlich 30 000 Hektoliter Saft ab. Den der Äpfel presst die Firma noch selbst.
Von Martin Kellermeier

Markus Nagler, 46 Jahre alt, führt die Kelterei in Regensburg seit 2005. Foto: Martin Kellermeier
Markus Nagler, 46 Jahre alt, führt die Kelterei in Regensburg seit 2005. Foto: Martin Kellermeier

Regensburg.Markus Nagler hat die Million im Keller. Nicht Bargeld, keine Goldbarren, sondern Apfelsaft. Eine Million Liter davon lagern der Geschäftsführer der Privatkelterei und sein Team nach der Ernte im Herbst in den meterhohen Edelstahltanks im Keller ein. Über das Jahr wird der Saft dann abgefüllt und verkauft. Die Äpfel kommen alle aus der Region, sogar die Mallersdorfer Schwestern liefern ihr Obst in der Domstadt ab. Gepresst werden die Äpfel direkt auf dem Nagler Betriebsgelände am Galgenberg in der Nähe der Regensburg Arcaden.

Auch die Mallersdorfer Schwestern lassen ihre Äpfel von Nagler verarbeiten. Foto: Kelterei Nagler
Auch die Mallersdorfer Schwestern lassen ihre Äpfel von Nagler verarbeiten. Foto: Kelterei Nagler

Keltern, das bedeutet aus Obst Saft herstellen. Die Naglers machen das seit drei Generationen. Die Privatkelterei ging aus zwei Firmen hervor. Beide waren schon immer in Regensburg ansässig. Die eine Firma gründete Alfons Nagler im Jahre 1933. Zuerst war hier der Geschäftszweck die Produktion von Erfrischungsgetränken und der Vertrieb von Handelsware. 1961 wurde eine bestehende Obstverwertungsgenossenschaft übernommen und mit der Produktion von Fruchtsäften unter dem Namen Nagler begonnen.

Holz machte den Saft haltbar

Die zweite Firma gründete im Jahr 1937 Georg Holz. Er setzte von Anfang an auf das Keltern und Vermarkten von Fruchtsäften. 1968 erbaute er die heutigen Produktionsräume am Galgenberg und war in Bayern ein Pionier, was das Pasteurisieren angeht. Mit diesem Verfahren konnte Holz seine Säfte ab 1937 haltbar und so zu einem Produkt fürs ganze Jahr machen. Früher gab es die Fruchtsäfte nämlich nur zur Erntezeit, da der Prozess der Gärung sie schnell ungenießbar machte.

In sogenannten „Bigpacks“ werden die Äpfel zur Erntezeit aus ganz Ostbayern nach Regensburg gebracht. Foto: Kelterei Nagler
In sogenannten „Bigpacks“ werden die Äpfel zur Erntezeit aus ganz Ostbayern nach Regensburg gebracht. Foto: Kelterei Nagler

Gepresst wird bei Nagler immer im Herbst. Dann liefern die Hobbygärtner und auch viele Obstbauern ihre Äpfel am Galgenberg an. Annahmestellen gibt es auch in Deggendorf, Straubing, Roding, Teisnach und Ansbach. „In normalen Erntejahren beziehen wir unsere Äpfel zu 100 Prozent aus der Region“, sagt Markus Nagler. Das ist dem Geschäftsführer der Regensburger Privatkelterei wichtig: „Das ein Lebensmittel von China nach Deutschland transportiert wird, ist für mich ein Unding!“

Jeder verarbeitete Apfel wird vor dem Pressen von Naglers Mitarbeitern auf Faulstellen überprüft. „Wir verarbeiten nur Äpfel, die man daheim auch essen würde“, sagt Nagler. Nach dem Waschen wird das Obst in einer Mühle gemahlen. Die entstandene Meische landet auf der Bandpresse. Die schafft sechs Tonnen in einer Stunde und lässt den Saft fließen. Der wichtigste Schritt kommt zum Schluss: das Pasteurisieren. Für wenige Sekunden wird der Apfelsaft auf 85 Grad erhitzt. Länger wäre schädlich. Die Hitze würde Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe verkochen. So entstehen jedes Jahr eine Million Liter haltbarer Apfelsaft.

„Die Sonne ist unser Geschäftspartner“

Markus Nagler, Geschäftsführer der Privatkelterei Nagler

Die Abfallprodukte bei der Produktion, wie Stängel und Apfelbutzen, werden übrigens an das Wild verfüttert. Für Markus Nagler ist das „ein Kreislaufgedanke“. Die Privatkelterei ist von der Natur abhängig. „Die Sonne ist unser Geschäftspartner“, sagt Markus Nagler. Vergangenes Jahr hat das der Betrieb zu spüren bekommen. Die schlechteste Apfelernte seit über 30 Jahren musste verbucht werden.

Nagler blieb nur der Zukauf von Äpfeln, die fernab von Ostbayern gereift sind. In diesem Jahr sieht die Situation zum Glück anders aus. „Es gab eine gute Bestäubung im Frühjahr und einen irren Fruchtansatz“, sagt Nagler. Die Ostbayern wird das freuen. Der Apfelsaft ist laut Markus Nagler der absolute Verkaufsschlager.

In der Privatkelterei auf dem Galgenberg wird aber nicht nur mit Apfelsaft gearbeitet. Orangen (aus Brasilien), Johannisbeeren (aus Polen) und Trauben (aus Mittelitalien) kauft Nagler als Direktsaft zu. Durch die breite Produktpalette schafft Nagler drei Millionen Liter produzierten Saft jährlich.

Zum Teil wird der Apfelsaft in großen Tanks im Eiskeller eingelagert. Foto: Martin Kellermeier
Zum Teil wird der Apfelsaft in großen Tanks im Eiskeller eingelagert. Foto: Martin Kellermeier

Dieser wird in der hauseigenen Füllerei abgefüllt. 10 000 Flaschen kann die Firma Nagler mit ihren 20 Mitarbeitern pro Stunde fertig für die Auslieferung machen. Der Saft landet ausschließlich in den Verkaufsregalen der Region. „Der enge Kontakt mit den Kunden ist auch unsere Existenzberechtigung“, sagt Markus Nagler. Manche Konsumenten haben sich bei Nagler gemeldet und gefragt, warum die Kelterei ihre Fruchtsäfte nur in Glasflaschen anbietet. „Da gelten wir vielleicht ein bisschen als altmodisch“, sagt Nagler.

Eine Flasche wird 50 Mal befüllt

Jede der Mehrwegflaschen wird im Schnitt 50 Mal befüllt, bevor sie ein Automat in der Füllerei aussortiert. Das System ist gut für die Umwelt und Markus Nagler bezeichnet sich auch selbst als „absoluten Naturschützer“. Auf Plastik reagiert er allergisch. „Wo die Archäologen die Knochen von früher finden, graben sie in 2000 Jahren unseren Plastikmüll aus.“

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Die Glasflasche ist aber auch gut für die Qualität des Saftes. Nagler: „Das Glas schützt den Saft durch seine Barriereeigenschaften besonders gut.“ Das hat sich am Markt scheinbar herumgesprochen. In den vergangenen Jahren hat die Glasflasche laut Nagler eine Blütezeit erlebt. Das hat man auch beim Verband der Bayerischen Fruchtsaftindustrie bemerkt. Nagler ist seit April 2017 der Vorsitzende der Organisation. Allgemein erlebt die Fruchtsaftindustrie in den letzten Jahren einen Aufschwung. Eine gesunde Ernährung ist mehr als in. Fast jeder hat in der Küche schon mit dem Pürierstab experimentiert und Smoothies gemixt.

„Wo die Archäologen die Knochen von früher finden, graben sie in 2000 Jahren unseren Plastikmüll aus“

Markus Nagler, Geschäftsführer der Privatkelterei Nagler

Auf diesen Zug will Markus Nagler mit seiner Kelterei nicht aufspringen. Der Markt sei schon gut bedient. Nagler setzt lieber auf den Apfelsaft. Im Herbst gibt’s wieder eine Million Liter – vorausgesetzt das Wetter spielt mit.

Groß, größer – oder sogar Weltmarktführer: In Niederbayern und der Oberpfalz gibt es viele Unternehmen, die in ihrem Bereich national und/oder international Champions sind. Hier finden Sie alle Teile der Serie „Unsere Champions“.

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