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Industrie

Kupferdraht flechten für die Zukunft

Insinger eröffnet sein Werk in Luhe-Wildenau. Der Finanzminister lobt die Innovationskraft des Regensburger Unternehmens.
Von Reinhold Willfurth

70 Maschinen flechten im neuen Gebäude von KFI aus bis zu 0,05 Millimeter dünnen Kupferlitzen filigrane Geflechte. Foto: Willfurth
70 Maschinen flechten im neuen Gebäude von KFI aus bis zu 0,05 Millimeter dünnen Kupferlitzen filigrane Geflechte. Foto: Willfurth

Luhe-Wildenau.In der rekordverdächtigen Bauzeit von nur einem Jahr ist das Kupferflechtwerk von Insinger (KFI) in Luhe-Wildenau (Kreis Neustadt/Waldnaab) in die Höhe gewachsen. Den jüngsten Meilenstein in der Geschichte des Regensburger Unternehmens mit Niederlassungen in Neunburg (Kreis Schwandorf) und Luhe-Wildenau feierten am Mittwoch über 100 Mitarbeiter, Geschäftspartner und Ehrengäste.

Andreas Insinger freute sich über die Vollendung seines neuen Werks. Foto: Willfurth
Andreas Insinger freute sich über die Vollendung seines neuen Werks. Foto: Willfurth

Rekordverdächtig vertreten war bei der Feier im Gewerbegebiet „Obere Tratt“ direkt an der Autobahn A 93 auch die Politprominenz. Drei Abgeordnete des Bayerischen Landtags, eine Bundestagsabgeordnete, zwei Landräte, ein Bezirkstagsvizepräsident, der Regierungspräsident und der bayerische Finanzminister machten Inhaber Andreas Insinger ihre Aufwartung.

Investiert „trotz herannahender Regenwolken“

Oberpfälzer Politprominenz, darunter Finanzminister Albert Füracker, die MdL Stephan Oetzinger, Franz Rieger, Annette Karl, die Landräte Thomas Ebeling und Andreas Meier, MdB Astrid Freudenstein und Regierungspräsident Axel Bartelt waren nach Luhe-Wildenau gekommen. Foto: Willfurth
Oberpfälzer Politprominenz, darunter Finanzminister Albert Füracker, die MdL Stephan Oetzinger, Franz Rieger, Annette Karl, die Landräte Thomas Ebeling und Andreas Meier, MdB Astrid Freudenstein und Regierungspräsident Axel Bartelt waren nach Luhe-Wildenau gekommen. Foto: Willfurth

Finanzminister Albert Füracker (CSU) glaubte zu wissen, warum sich Insinger bei Kommunal- wie Landespolitikern seine Meriten erworben hat. Füracker lobte den Regensburger als Macher, der sich auch in Zeiten „herannahender Regenwolken“ über der Konjunkturlandschaft traue, kräftig zu investieren. Im Fall der KFI waren dies rund sechs Millionen Euro. Resignation angesichts der vielen aktuellen Unsicherheitsfaktoren in der Weltwirtschaft sei nicht Insingers Sache. „Sie sind kein Unterlasser, Sie sind ein Unternehmer“, rief Füracker dem KFI-Chef zu.

„Sie sind kein Unterlasser, Sie sind ein Unternehmer“

Finanzminister Albert Füracker

Der Finanzminister stimmte ein Loblied auf den Mittelstand an, der in Bayern eine tragende Säule des wirtschaftlichen Erfolgs sei. „Der denkt nicht in Quartalen, sondern in Generationen.“ Die bei Mittelständlern oft schwierige Hürde der Nachfolge sei bei Insinger auch schon gelöst. „Die nächste Generation steht schon in den Startlöchern.“

Das Kupferflechtwerk in Luhe-Wildenau

  • Geschichte:

    2005 wurde „Kupferflechtprodukte Insinger“ (KFI) als Ergänzung zu ANKA-Draht in Neunburg von Andreas Insinger gegründet. Wegen Platzmangels und neuer Stromversorgung wurde ein Neubau nötig.

  • Neubau:

    Die neue Firmenzentrale von KFI hat eine Gesamtfläche von 10 000 Quadratmetern, davon werden 7000 Quadratmeter für Produktion und Verwaltung verwendet. Die Restfläche ist für eine Erweiterung eingeplant.

Ein Vorbild sei die Unternehmerfamilie auch in der Frage, wie man einen Industriebau in kürzestmöglicher Zeit realisiert – und noch dazu zehn Prozent unter den veranschlagten Kosten, sagte Füracker. Vor gerade einmal einem Jahr wurde Spatenstich gefeiert, auch damals war der Finanzminister dabei und versprach, zur Einweihung wiederzukommen.

Auch von der Innovationskraft des Unternehmens könnten sich andere Betriebe eine Scheibe abschneiden. Die sei bei der Transformation der bayerischen Wirtschaft hin zu mehr Digitalisierung und künstlicher Intelligenz (KI) gefragt. Bayern brauche beides, sagte der Minister: Forschung und Produktion. „Dienstleistung alleine reicht nicht“. Offen sein für Neues sei also eine Primärtugend, die man auch bei Insinger finde.

70 Maschinen, bedient von fünf Mitarbeitern

Bei KFI werden Kupferdrähte und -litzen weiterverarbeitet, die das Schwesterwerk ANKA in Neunburg in die Nordoberpfalz zuliefert. Die 70 Flechtmaschinen, befüllt und beaufsichtigt von nur fünf Mitarbeitern pro Schicht, verarbeiten rund 50 Tonnen Kupfer im Monat, zum Beispiel zu Zopfgeflecht für die Kohlebürsten von E-Motoren oder als Kupferabschirmung gegen elektromagnetische Strahlung, etwa in Antennenkabeln.

In nur einem Jahr entstand die neue Firmenzentrale. Foto: Willfurth
In nur einem Jahr entstand die neue Firmenzentrale. Foto: Willfurth

Dass die KFI am angestammten Standort gebaut hat, will Andreas Insinger als Bekenntnis zu seiner Heimat Oberpfalz verstanden wissen und als Verbundenheit zu den Menschen in der Region. Das neue Werk sei gut durchdacht mit kurzen Wegen, klaren Strukturen, hellen und freundlichen Arbeitsplätzen – beste Voraussetzungen also aus Sicht von Insinger für künftige Aufgaben in einer gewandelten Gesellschaft, für die er eine neuerliche Erweiterung nicht ausschließen wollte.

Eine dieser Zukunftsaufgaben besteht auch für ein Unternehmen im Klimaschutz. Kostenlose E-Ladestationen, eine Anlage, welche die Abwärme der Maschinen in Energie umsetzt und ein 3000 Quadratmeter großes Biotop auf dem Firmengelände seien Beispiele für nachhaltiges Denken und Handeln.

Verständnis für „FFF“, aber nicht für Schulschwänzer

Den Weg dorthin wolle er sich aber nicht vorschreiben lassen, etwa von den Schülern von „Fridays for Future“, die Insinger vor den versammelten Gästen hart kritisierte. Im Gespräch mit der Mittelbayerischen relativierte und präzisierte Andreas Insinger seine Abfuhr an die jungen Aktivisten: Er könne deren Anliegen gut verstehen, „das Umdenken braucht es auch“. Die Art und Weise, wie die Schüler an die Öffentlichkeit gingen, mit Straßenblockaden und Schuleschwänzen nämlich, könne er aber nicht akzeptieren.

Profitieren könnte Insinger vom weltweiten Megatrend der E-Mobilität. Die Nachfrage nach Kupferkabel, die gängigste Art, Strom zu leiten, wird immer weiter zunehmen. „Wenn die Anforderungen da sind, sind wir dabei“, sagt Andreas Insinger zur Mittelbayerischen.

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