Verkehr
B15: Horror-Unfall bleibt wohl ungeklärt

Zwei der Opfer der Tragödie auf der B 15 stammen nach MZ-Information aus dem Landkreis, einer aus der Stadt Regensburg.

13.03.2017 | Stand 16.09.2023, 6:29 Uhr
Der Volvo prallte bei Obertraubling gegen den Ampelmast. Die völlige Zerstörung des Fahrzeugs und der Ampel lassen darauf schließen, dass der Wagen mit enormer Wucht gegen den Masten krachte. −Foto: Ratisbona Media

Der schreckliche Unfall, der am frühen Sonntagmorgen bei einer Kollision mit einem Ampelmasten auf der B15 drei jungen Männern das Leben kostete, wird wohl nie restlos geklärt werden. Die ermittelnde Polizeiinspektion Neutraubling sprach von überhöhter Geschwindigkeit als Unfallursache. Wie sehr die Geschwindigkeit überhöht war, bleibt wohl ungeklärt, denn weder von Seiten der Polizei noch der Staatsanwaltschaft wird ein Gutachter eingeschaltet.

Die letztendliche Klärung der Unfallursache durch einen Gutachter geschieht dann, wenn die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen einen möglichen Verursacher führen kann, erklärte Staatsanwalt Theo Ziegler auf Anfrage der MZ die rechtlichen Hintergründe. Da ein Fremdverschulden ausgeschlossen wird und der Fahrer des Unfallfahrzeugs tragischerweise verstorben ist, kann es auch kein Ermittlungsverfahren gegen einen Verursacher geben.

Spurensuche in verwüstetem Wrack

Möglicherweise werde das Unfallfahrzeug noch untersucht, um nach Hinweisen auf einen technischen Defekt zu suchen, doch davon versprach sich der Sprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft nicht mehr viel. Das Fahrzeug ist durch die Wucht der Kollision so vollständig zerstört worden, dass die Polizei nicht einmal mehr den Fahrzeugtyp erkennen konnte. Erst als man in dem Wrack auf eine eingestanzte Fahrzeugnummer stieß, konnte geklärt werden, dass es sich um einen Volvo handelte.

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Auch am Montagmittag war die Identität von zwei der drei tödlich verunglückten Männer noch nicht endgültig geklärt. Bei dem aus dem Unfallauto geschleuderten Opfer handelt es sich um einen 34 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Regensburg, bestätigte Gerhard Keil, der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Neutraubling. Die Identität der beiden in dem brennenden Fahrzeug verstorbenen Unfallopfer muss über einen DNA-Abgleich ermittelt werden, um letzte Sicherheit zu erhalten. Von dieser Identifizierung auf genetischem Weg, die in der Regel in der Rechtsmedizin in Erlangen erfolgt, gab es bis zum Montagabend noch kein Ergebnis. Die Polizeiinspektion Neutraubling habe sich aber um eine Priorisierung des Falls bemüht, sagte deren stellvertretender Leiter der MZ.

Todesfahrt nach dem Grillfest

Nach Informationen unseres Medienhauses handelt es bei den beiden Unfalltoten um zwei 24-jährige Männer. Einer der beiden stammt aus dem Landkreis, der andere aus dem Stadtgebiet Regensburg. Die drei jungen Männer sollen Gäste eines Grillfest gewesen sein. Einer ließ noch sein Auto stehen und stieg in den Volvo ein.

Die Meldung von dem schrecklichen Unfall hatte am Sonntagmorgen wohl nicht wenige Angehörige junger Männer in Sorgen gestürzt. Oft kommen junge Menschen nach ausgelassenem Feiern und einigen Stunden Schlaf bei Freunden ja erst mittags oder nachmittags nach Hause. Dank Handy bestehe aber immerhin die Möglichkeit, miteinander in Verbindung zu treten, sagte Feuerwehrseelsorger Karl-Dieter Schmidt. Der Barbinger Pfarrer ist „Ersthelfer für die Seele“ und kümmert sich nach belastenden Einsätzen um die Feuerwehrkräfte. Er wurde am Sonntagmorgen alarmiert, war aber zu diesem Zeitpunkt mit Pfarrgemeinderäten in Beilngries unterwegs.

Beim Erleben traumatischer Ereignisse verfügt jeder Mensch über ein kleines Erste-Hilfe-Kästchen, das die Psyche bereit hält, erzählt Prof. Dr. Thomas Loew, Leiter der Abteilung Psychosomatik am Universitätsklinikum. Mit anderen darüber reden können, sich fallen lassen können sei der erste wichtige Schritt. Körperliche Berührung, die Kultur des Umarmens, setzt das Beruhigungshormon Oxytocin frei. Wenn Flashbacks (schlaglichtartiges Wiedererleben der belastenden Situation) auftreten, sich der Betroffene weiter zurückzieht und unter Schlafstörungen leidet, „sind wir aber schon mitten in der Traumafolgenstörung“, sagt der Psychotherapeut Loew.

Tobias Macht, Leiter des Kriseninterventionsteams der Malteser, betreut Angehörige nach dem Überbringen solcher Schreckensnachrichten. „Wir bleiben dann da, bis die Betroffenen wieder einigermaßen stabil sind, beschreibt er diese schwierige Aufgabe. Es gelte, die Trauer und oftmals auch das Schweigen auszuhalten. Die Reaktionen reichten vom stummen Entsetzen über lautes Klagen und große Aktivität bis hin zum Leugnen des schier Unfassbaren. „Sie müssen sich irren, das glaube ich nicht“, sagen diese verzweifelten Menschen dann.

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