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Annika Blendl auf der Suche nach ihrer Herausforderung

Die Schauspielerei erlernte die junge Regensburgerin ohne Studium. Jetzt will sie selbst Filme machen.
Von Markus Rother, MZ

Annika Blendl (r.) im ZDF-Fernsehfilm „Donna Roma – Mord und Sühne“ Foto: ZDF/Aki Pfeiffer

Regensburg. Um sich auf ihre Rollen vorzubereiten, braucht die Schauspielerin Annika Blendl Zeit. Als würde sie einen echten Menschen treffen, ist ihr eine Rolle oft auf den ersten Blick fremd, auch wenn sie interessant erscheint. Langsam nähert sie sich dem Thema und der Persönlichkeit an. „Man muss viel beobachten“, erzählt sie, vor allem andere Menschen. Dann kämen die Ideen für die Figur nach und nach von ganz alleine. Wo sie die Technik gelernt habe? Durch Erfahrung, durch die Praxis, antwortet sie. Heute dreht Annika Blendl mal in Berlin, mal in Hamburg, studiert derzeit außerdem in München. Ihre Geburtsstadt Regensburg hat sie trotz ihrer vielen beruflichen Verpflichtungen nie ganz aus den Augen verloren. Sie hat bis heute Freunde hier.

„Malen macht einsam“

Schon früh entdeckte die 29-Jährige ihr Interesse an der Schauspielerei. In der Schule spielte sie erste Rollen. Ihre Eltern hatten viel Wert auf eine musische Ausbildung gelegt. Sie und ihre fünf Geschwister lernten alle ein In-strument. Annika Blendl zeigte Begabung auf der Violine. Zweimal hintereinander gewann sie beim bundesweiten Wettbewerb „Jugend musiziert“ den ersten Platz. Ein Musikstudium lag da nahe, doch Annika hatte andere Pläne. Ihr schwebte ein Studium an der Kunsthochschule in Malerei vor. Die Bewerbung war schon vorbereitet, als die junge Frau feststellte, dass „Malen einsam macht“. Inspiriert durch ihre ältere Schwester, die heute 34-jährige Schauspielerin Mareile Blendl, die damals bereits am Dresdener Staatstheater engagiert war, fand sie mehr und mehr Gefallen daran, in Rollen zu schlüpfen. An eine Schauspielschule wollte sie aber nicht. „Zu verschult“, sagt sie. Auch, dass ihre Schwester diesen klassischen Weg bereits gegangen war, habe eine Rolle bei ihrer Entscheidung gegen ein Studium gespielt. Die 29-Jährige sieht ihre Schwester aber nicht als Konkurrentin im Filmgeschäft an. Nur zu Beginn, so sagt sie, habe sie sich verglichen.

Den Vergleich suchen musste Annika Blendl auch nicht, denn schnell kam ihre Karriere auch ohne klassische Ausbildung in Fahrt. In der Branche ist das eher eine Seltenheit. Es hätte auch schiefgehen können. Heute ist sich Blendl sicher, dass sie durch den Verzicht auf eine Schauspielschule ihre Natürlichkeit und Glaubhaftigkeit im Spiel bewahrt habe.

Mit zwanzig Jahren zog die hochgewachsene Blondine von ihrem damaligen Wohnort Köln nach Berlin. Sie arbeitete als Model und drehte erste Werbespots. 2002 folgte, nach der Begegnung mit dem Regisseur Schorsch Kamerun am Schauspielhaus in Zürich, eine Zusammenarbeit für die aufwendige Produktion „Die Schneekönigin“. Im selben Jahr übernahm Blendl auch ihre ersten Fernsehrollen. Sie debütierte in der Serie „Aus gutem Haus“ und stand für Spielfilme wie „In der Mitte eines Lebens“, „Kalter Frühling“, „Nichts ist vergessen“ sowie „Der letzte Zeuge“ vor der Kamera. Sie war in vier Tatorten und zuletzt im Kinoerfolg „Zweiohrküken“ mit Til Schweiger zu sehen. Heute kann sich Annika Blendl aussuchen, welche Angebote sie annimmt. Das tut sie auch – kompromisslos. „Wenn ich etwas spielen soll, das ich nicht mag, lehne ich ab.“ Diese Freiheit sei ihr wichtig.

Ein Faible für Rolle der Ausländerin

Rollen, die sie spielt, versucht sie aus einer gewissen Distanz heraus umzusetzen. Blendl will sich nicht selbst zu stark in ihren Charakteren wiedererkennen. Ausländerinnen spielt sie deshalb gerne und gut, wie sie von sich sagt. Von Kritikern wird sie für ihr Spiel hochgelobt, wird immer wieder für ganz große Filme gehandelt. Der Film „Maria am Wasser“ aus dem Jahr 2009, in dem Annika Blendl die weibliche Hauptrolle spielt, wurde 2009 mit dem „Prädikat wertvoll“ ausgezeichnet.

Für Hobbys hat die vielbeschäftigte Mimin derzeit keine Zeit. Seit einem Jahr besucht sie nämlich auch die Münchner Filmhochschule, studiert dort Dokumentarfilm. Ihr nächstes Ziel ist es, selbst Regie zu führen. Filme zu drehen verlange eine Beobachtungsgabe, sagt Blendl, aber es verspreche auch Gestaltungsfreiheit: „Man kann selbst recherchieren, ist sein eigener Herr und verantwortlich für das Ergebnis der eigenen Kreativität.“ Irgendwann, so sagt die 29-Jährige, wolle sie zu einem Allrounder werden. Also zu einem Schauspieler, der selbst Regie führen oder sogar noch ein eigenes Drehbuch schreiben kann. Ob es denn möglich sei, das alles unter einen Hut zu bekommen? „Man muss es halt können“, sagt Blendl. Diejenigen, die es können, findet sie „bewundernswert“. „Ich weiß, dass ich da noch viel lernen muss.“

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