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Prozess

Baumer-Verlobter: Privates vor Gericht

Vertreterin der Jugendgerichtshilfe berichtet über Gespräche. „Er war höflich und offen, von den Taten sagte er nichts.“
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Am 15. Dezember soll das Urteil gegen den 32-Jährigen fallen. Foto: Lex
Am 15. Dezember soll das Urteil gegen den 32-Jährigen fallen. Foto: Lex

Regensburg.Nach nur einer halben Stunde ist der dritte Prozesstag für den ehemaligen Verlobten von Maria Baumer am Freitag vorbei. Eine Vertreterin der Jugendgerichtshilfe berichtete über drei Gespräche, die sie mit dem Angeklagten geführt hatte. Verteidiger Michael Haizmann wollte dafür eigentlich die Öffentlichkeit ausschließen. Nach einer Beratung mit dem Gericht zog er diesen Antrag allerdings zurück.

So erfuhren die Zuhörer, dass die Gespräche sehr kooperativ verlaufen seien, der Angeklagte habe sich höflich und offen verhalten. Allerdings habe Christian F. ihr gegenüber die nun vor Gericht gestandenen Taten nicht eingeräumt, sagte die Sachverständige. Der 32-Jährige muss sich wegen sexuellen Missbrauchs von zwei Schülern, gefährlicher Körperverletzung gegen eine ehemalige Patientin am Bezirksklinikum Regensburg sowie Besitzes von kinderpornografischem Material verantworten. Nach dem Geständnis hatte das Gericht die Vorwürfe der sexuellen Nötigung gegen die Patientin sowie des Diebstahls einer Blisterpackung Beruhigungsmittel an seinem ehemaligen Arbeitsplatz am Bezirksklinikum Regensburg fallengelassen.

Schwer zu beurteilen

Der Prozess gegen Christian F. wird vor der Jugendstrafkammer geführt, weil er bei dem ersten sexuellen Übergriff auf einen damals elf- oder zwölfjährigen Schüler des Domspatzen-Gymnasiums 18 oder 19 Jahre alt war und damit unter bestimmten Voraussetzungen noch das Jugendstrafrecht Anwendung finden kann. Die Sachverständige schloss eine Entwicklungsverzögerung bei dem damals Heranwachsenden am Freitag nicht aus, wenngleich dies aufgrund des großen Zeitabstandes nur schwer zu beurteilen sei.

Christian F. ist das jüngste von fünf Kindern und in stabilen Familienverhältnissen aufgewachsen, sagte die Gutachterin. Die Geschwister seien zwischen zwölf und 18 Jahre älter und unterstützten den Angeklagten bis heute nach ihren Möglichkeiten. Die Eltern seien bereits betagt, der Vater ein Pflegefall. Christian F. habe gerne das Domspatzen-Gymnasium besucht, er habe dort nicht nur eine intensive Schulzeit, sondern auch intensive Freundschaften erlebt, formulierte die Gutachterin. Einige der Freundschaften hätten bis heute Bestand.

Nach dem Abitur absolvierte er ein Orientierungsjahr und machte ein Praktikum am Bezirksklinikum, wo er sich anschließend zum Krankenpfleger ausbilden ließ und ins dortige Wohnheim zog. Ab 2009 habe Christian F. im Haus seines Bruders mit seiner Freundin Maria Baumer zusammengelebt und mit einem Medizinstudium begonnen. Das Paar habe sich 2011 verlobt und wollte 2012 heiraten.

Verhältnis zu Maria bleibt außen vor

Mit keinem Wort nahm die Sachverständige zum Verhältnis zu seiner Verlobten Maria Baumer Stellung. Sie erklärte lediglich, dass Christian F. regelmäßig nach deren Verschwinden den Krisendienst Horizonte kontaktiert und Gespräche geführt habe. Zudem sei er in den vergangenen vier Jahren dem Alkohol verfallen. „Weil er einen immensen Druck verspürte“, wie er der Sachverständigen sagte. Er habe eine Langzeittherapie durchlaufen und befinde sich weiterhin in ambulanter therapeutischer Behandlung. Übermäßiger Alkoholgenuss führte auch zur bislang einzigen ins Zentralregister eingetragenen Straftat des 32-Jährigen. Er wurde wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr zu einer Geldstrafe sowie Führerscheinentzug verurteilt.

Die Jugendgerichtshilfe

  • Jugendhilfe:

    In Verfahren vor den Jugendgerichten wirkt die Jugendhilfe der Jugendämter mit.

  • Aufgabe:

    Ihre Vertreter bringen die „erzieherischen, sozialen und fürsorgerischen Gesichtspunkte“ im Jugendstrafverfahren zur Geltung und berichten dem Gericht über Persönlichkeit, Entwicklung und Umwelt der Beschuldigten, die zum Tatzeitpunkt noch nicht 21 Jahre alt sind. Ferner hat sie den Auftrag die Wiedereingliederung zu begleiten.

Nach dem Verschwinden seiner Verlobten sei Christian F. zweimal im Haus seines Bruders umgezogen. Im Mai dieses Jahres unterzeichnete er einen Auflösungsvertrag mit dem Bezirksklinikum. Inzwischen habe er ein Studium aufgenommen, bestätigte der Angeklagte dem Gericht. Er werde finanziell von seiner Familie unterstützt und werde BAföG beantragen.

Am 15. Dezember wird das erste Opfer von Christian F. seine Zeugenaussage machen. Danach sollen die Plädoyers gehalten werden und das Urteil fallen, das bereits in einem Rechtsgespräch vorbereitet wurde. Der Angeklagte kann mit einer Jugendstrafe von maximal zwei Jahren auf Bewährung rechnen.

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