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Kriminalität

Das ungeklärte Ende eines Nachtclub-Königs


Von Fritz Winter, MZ, und Herbert Scharf

Der 22. August 1982 ist ein heißer Tag mit Temperaturen um die 30 Grad. Barbara B. und ihr Mann Hans streifen an diesem Sonntagvormittag durch das Waldgebiet Geisbühl am Weidener Fischerberg, um Preiselbeeren zu suchen. Da schlägt Barbara B. beißender Verwesungsgeruch entgegen. Sie sieht zwei Füße, ruft ihren Mann zu Hilfe. Zufällig haben sie in der Grube eines entwurzelten Baumes die Leiche des Weidener Nachtclub-Königs Walter Klankermeier entdeckt. Die Spurensicherung rückt an.

Unter Birkenreisig liegt die stark verweste und teilweise mumifizierte Leiche eines Mannes. Die Obduktion bringt Gewissheit. Der Tote ist der 42-jährige Klankermeier, der zweieinhalb Monate zuvor spurlos verschwunden war. Er starb durch einen gezielten Schuss von vorne in den rechten Herzbeutel. Am linken Handgelenk hing noch seine 20.000 Mark teure goldene Rolex „Oyster“ mit Brillanten. Die Staatsanwaltschaft glaubt an ein „gezieltes Exekutionskommando“.

Stadträte waren auch seine Gäste

Es ist ein Mordfall, wie ihn sich ein Krimiautor nicht besser hätte ausdenken können. Walter Klankermeier war neben dem damaligen Oberbürgermeister wohl eine der bekanntesten Personen in Weiden und darüber hinaus. Mit seinen Lokalen hatte der Mann, gelernter Metzger und vorher in Augsburg und Chicago in der Abendgastronomie tätig, Furore gemacht. Er brachte Sex and Crime in die kleine Stadt in der Oberpfalz. In seiner „Fortuna-Bar“ wurde ein Programm geboten, das in Bayern für Aufruhr sorgte: Live-Sex auf der Bühne, 150-Kilogramm-Stripperinnen.

Scharfer Strip bis zum Sex auf offener Bühne war damals in der Provinz ein Tabu-Thema, und schnell wurden Klankermeiers Bars zum Politikum. Besonders, als in der 40.000-Einwohner-Stadt bekannt wurde, dass sich der Oberbürgermeister und mehrere CSU-Stadträte im Rahmen einer Ortseinsicht selbst einen Eindruck von den nackten Tatsachen verschafft hatten.

Die Bars waren der Renner.1982 besitzt Klankermeier vier Lokale, eine Diskothek, ein Pilspub, ein Rasthaus und ein Striplokal. Die Geschäfte liefen wie geschmiert und bald, so wurde gemunkelt, war der einstige Metzgerlehrling zum Millionär aufgestiegen.

Wobei sein Erfolg aber auch viele Neider produzierte. Der Weidener Stadtrat, offiziell auf den Ruf seiner Stadt bedacht, wollte einige Male die Konzession des Nachtlokals wegen der gar zu freizügigen Darbietungen kassieren. Da hatten die Stadtväter aber buchstäblich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Als nämlich Klankermeier die noch ausstehenden Rechnungen einiger Stadtväter präsentierte, kamen die nicht nur in Erklärungsnot, sondern auch bundesweit in die Schlagzeilen.

Ohne jede Spur verschwunden

Das Geschäft mit der „Sünde“, wie die Pfarrer von den Kanzeln predigten, funktionierte prima – bis zum 14. Juni 1982. Die Fußballweltmeisterschaft hatte gerade erst begonnen, die Straßen waren leergefegt, als den Gastronomen der Anruf eines Unbekannten, vermutlich seines Mörders, in seiner Discothek „Tiffany“ erreichte. Klankermeier verschwand daraufhin umgehend.

Es sollte das letzte Mal sein, dass ihn seine Angestellten lebend gesehen haben. Denn seit diesem Abend blieb der Mann spurlos verschwunden. Sein Anwalt und Freund, ein bekannter Weidener Strafverteidiger, mit dem er regelmäßig zum Fitnesstraining ging, wusste einen Tag später, dass da etwas nicht stimmte. Da Klankermeier eine Verabredung nicht eingehalten hatte, ging er in dessen Luxuswohnung über der Diskothek in der Judengasse. Da lagen die Tageseinnahmen, rund 1800 Mark, offen herum – gegen jegliche Gewohnheit des Gastronomen.

Der Anwalt erstattete Vermisstenanzeige bei der Weidener Polizei. Die glaubte erst einmal nicht an ein Verbrechen und suchte den Vermissten zunächst in seiner alten Heimat in den USA, in Chicago. Da das vergeblich war, bestellte das Amtsgericht den Anwalt erst einmal zum Abwesenheitspfleger. Schließlich mussten die Lokale weiterlaufen, Rechnungen und Personal weiterbezahlt werden.

Acht Wochen später wird aus dem bösen Verdacht Wirklichkeit: Die Leiche Walter Klankermeiers wird von einer Spaziergängerin in einem Waldstück zwischen Schirmitz und Bechtsrieth, wenige Kilometer von Weiden entfernt, erschossen gefunden. Vor seinem Tod aber, so stellte der Gerichtsmediziner fest, war der sportliche Gastronom, der regelmäßig ins Fitnesstraining ging, noch gefoltert worden. Davon zeugten unter anderem mehrere gebrochene Rippen.

Eine Pfarrerstochter als Erbin

Nun rauschte es im deutschen Blätterwald, die Weidener Kriminalpolizei bildete eine Sonderkommission, um den Mörder zu finden. So viel war klar: Es war kein Raubmord. Denn Klankermeier hatte nicht nur seine Brieftasche noch bei sich, auch die teure Rolex war noch am Handgelenk des Toten. Alle Spuren, die die Kripo verfolgte, verliefen jedoch im Sand. Die 5000 Euro Belohnung, die ausgesetzt wurden, liegen heute noch in der Justizkasse. Ob es nun eine Beziehungstat, ein Auftragsmord aus dem Milieu war – eine Antwort auf diese Frage gibt es bis heute nicht.

Kurz darauf kam Klankermeier noch einmal in die Schlagzeilen. Zum großen Erstaunen und Neid mancher hatte der Nachtclubchef sein Millionen-Vermögen – oder das, was nach der Steuer davon übrigblieb – einer 18 Jahre alten Pfarrerstochter aus Weiden vermacht. Die kam dazu wie die Jungfrau zum Kind. Denn nicht in eine seiner Stripteasetänzerinnen hatte sich der Gastronom verliebt, sondern in die unschuldige 18-Jährige, die er nur flüchtig vom gemeinsamen Reitclub am Schwedentisch kannte und die von seiner Schwärmerei für sie kaum etwas mitbekommen hatte.

Da Mord nicht verjährt, sind die Akten des Mordfalls Klankermeier bei der Kripo auch heute noch nicht geschlossen. Bis heute aber ist der Mordfall, trotz Aufrufe in der Fernsehsendung XY oder anderen Aufrufen, ungeklärt. Die Akte bleibt geöffnet, bestätigte gestern auch ein Sprecher des Polizeipräsidiums in Regensburg. Sobald neue Hinweise bekannt werden, werde erneut ermittelt.

Der Anwalt und frühere Freund Klankermeiers hat die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Vielleicht führt eine DNS-Spur an der Kleidung Klankermeiers, die immer noch in der Asservatenkammer schlummert, noch zu dem Mörder, hofft er.

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