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MENSCHEN

Der Mann, der sogar den Bischof bestahl

Der berüchtigte Oberpfälzer Räuberhauptmann Franz Troglauer führte ein ausschweifendes Leben und endete schließlich am Galgen.
von Philipp Seitz, MZ

So könnte Räuberhauptmann Franz Troglauer ausgesehen haben. Der Bayerische Rundfunk ließ diese Zeichnung für einen Beitrag anfertigen. Foto: BR-online/Anne Hunger

Mantel. Das Leben des Franz Troglauer aus Mantel (Lkr. Neustadt a.d. Waldnaab) hätte durchaus Stoff für einen spannenden Kinofilm. Denn noch heute spaltet sein Charakter die Gemüter. Der örtliche Marktrat Bernhard Weigl, der sich gerne mit Regionalgeschichten beschäftigt und auch ein Buch über den berüchtigten Räuber veröffentlichte, würde sich freuen, wenn Franz Troglauer (1754 bis 1801) über die Region hinaus Bekanntheit erlangen würde. „In vielen anderen Orten wird mit solchen Personen sogar Werbung für den Tourismus betrieben“, sagt Weigl. Davon will allerdings der Bürgermeister von Mantel, Josef Wittmann, lieber nichts wissen. Der Troglauer Franz sei zwar „Geschichte“, mit einem Verbrecher wolle man aber lieber nicht werben.

Interessant ist die Geschichte des Räuberhauptmanns Franz Troglauer aber allemal. Über acht Jahre hinweg hatte Regionalforscher Weigl in Archiven in ganz Bayern recherchiert. „Bis ins Staatsarchiv in Landshut musste ich sogar einmal fahren“, erinnert sich der Buchautor. Oft sei es schwierig gewesen, an die benötigten Informationen zu kommen, da Troglauer seine Spuren in ganz Nordbayern hinterlassen habe.

Mit 19 Jahren erstmals vor Gericht

Begonnen hatte das Leben des Franz Troglauer in der Oberpfalz. Dort war er schon als Jugendlicher kein gern gesehener Gast, denn bereits damals eilte ihm ein schlechter Ruf als Dieb und Räuber voraus. Mit 19 Jahren musste er sich vor Gericht verantworten, in der Anklage wurde ihm versuchter Totschlag vorgeworfen, schuldig sprechen konnte man ihn aber nicht. „Troglauer wollte eine Rechnung begleichen und hatte seinen Gegenspieler fast erschlagen, gerichtlich war er jedoch nicht mehr belangbar, da er kurz darauf an einem Feldzug teilnahm“, erzählt Weigl.

Einige Jahre später wurde Franz Troglauer dann aber doch für schuldig befunden: 1786 wurde er das erste Mal zu einem Aufenthalt im Amberger Zuchthaus verurteilt, zwei weitere Verurteilungen wegen diverser Gaunereien folgten. Nachdem der Verbrecher aus der Oberpfalz seine dritte Haftstrafe verbüßt hatte, bildete er mit seinen Geschwistern eine berüchtigte Räuberbande, ehe er sich mit Familienangehörigen der sogenannten „Großen Fränkischen Diebes- und Räuberbande“ anschloss.

Unter dieser Räubergruppe, die in den zeitgenössischen Akten auch als „Fürther Diebesbande“ tituliert wurde und in der Verbrecher aus Franken und der Oberpfalz aktiv waren, darf man sich aber keine gemeinsam operierende Räuberbande vorstellen, die auf den Befehl eines einzigen Räuberhauptmanns hörte. Vielmehr wurden die Überfälle und Einbrüche in kleinen, unabhängig voneinander handelnden Gruppen ausgeführt, in denen sich die Bandenmitglieder teilweise nicht einmal gegenseitig beim Namen kannten, um ihre Anonymität zu gewährleisten. „Die Mitgliedschaft in der hervorragend organisierten Räubergruppe hatte für Troglauer zahlreiche Vorteile: Dank eines Buchdruckers konnten falsche Pässe, Adelsbriefe und andere Papiere angefertigt werden“, betont Weigl. Außerdem hatte die Bande bei vielen Gastwirten in Franken und der Oberpfalz Schlupfwinkel, teilweise dienten die vielen Wirte sogar als Hehler zur Umsetzung des Diebesguts in Bargeld. So wurde den Ganoven ihr unehrenhaftes Handwerk oft noch erleichtert und es konnten beachtliche Summen an Lebensmitteln und Luxusgütern, beispielsweise wertvoller Schmuck und Stoff, erbeutet werden.

Spektakulärer Diebstahl

In den Straßen der Städte und Dörfer nutzen die Mitglieder sogar geheime Signale und Zeichensprache, mit der man sich über den nächsten Einbruch absprechen konnte. In dieser über 180-köpfigen Bande brachte es der kluge und geschickte Franz Troglauer schnell zum Rädelsführer.

Großes Glück im Unglück hatte Troglauer 1796, als er wegen eines Pferdediebstahls in Untersuchungshaft in Vilseck (Lkr. Amberg-Sulzbach) saß. Obwohl man ihn dort ursprünglich zu lebenslangem Kerker verurteilen wollte, begnügte sich die bambergische Enklave-Stadt Vilseck damit, ihn an den Pranger zu stellen und ihn anschließend des Landes zu verweisen. Ein Jahr später kam Franz Troglauer durch einen spektakulären Diebstahl beim Bamberger Weihbischof zu Berühmtheit: Dort gelang es ihm und seinen Komplizen, Beute im Wert von etwa 12000 Gulden und, zur allgemeinen Belustigung, den Bischofsstab zu entwenden. Zum wohl aufsehenserregendsten Raub Troglauers können aber keine genauen Angaben mehr gemacht werden. „Die Originalprozessakten sind leider nicht mehr auffindbar“, seufzt Bernhard Weigl.

Die Behörden tappten anschließend lange Zeit im Dunkeln, bis 1798 ein Bandenmitglied im fränkischen Ort Dachsbach festgenommen wurde und, um der Todesstrafe zu entgehen, alle Informationen nannte, die ihm über die Räuberbande bekannt waren. Viele Bandenmitglieder wurden daraufhin verhaftet und in der mittelfränkischen Festung Wülzburg bei Weißenburg inhaftiert.

Troglauer flüchtete daraufhin quer durch Bayern, bis auch er in Regensburg verhaftet wurde. „Troglauer konnte sich jedoch während eines Gefangenentransports auf der Steinernen Brücke befreien, als er ins Fränkische ausgeliefert werden sollte. In Straubing wurde er erneut verhaftet und wieder gelang ihm die Flucht.

In Freystadt gefasst

Kurz darauf gründete Troglauer mit einigen Kumpanen eine neue, kleine Räuberbande und trieb in der Oberpfalz und in Franken sein Unwesen. Troglauer wurde öffentlich gesucht und die Regierung in Amberg setzte 100 Gulden Belohnung für denjenigen aus, der Franz Troglauer endlich gefangen nehme. Es wagte aber niemand, gegen diesen gefürchteten Räuber vorzugehen. Ohne einen gewissen Rückhalt in der Bevölkerung hätte sich der gesuchte Wilderer wohl nicht so lange halten können. „Es ist schwierig, nach über 200 Jahren seinen Charakter zu beschreiben“, räumt Weigl ein. Er sei sicherlich als Krimineller angesehen worden, vielleicht hätten aber auch viele Bürger in Troglauer die Auflehnung gegen die Obrigkeit gesehen und ihn deshalb unterstützt.

Im Dezember 1800 gelang es einem Gerichtsdiener in Freystadt bei Neumarkt, Franz Troglauer festzunehmen. Anschließend wurde ihm in Amberg der Prozess gemacht. Am 6. Mai 1801 wurde einer der berühmtesten Räuber aus der Oberpfalz am Galgenberg in Amberg hingerichtet.

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