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„A Bißgurn is’s, de olte Kircharutschn“

Wie boshaft Männer über Frauen reden

Als „Bißgurn“ wird eine hantige Frau gegeißelt. Das Wort lässt sich von bissiger Stute ableiten. Foto: dpa

Alle Leserinnen seien im Vorhinein um Nachsicht gebeten. In diesem und in einem der nächsten Beiträge geht es um abfällige Bezeichnungen für weibliche Personen. Was hier ausgebreitet wird, ist ein unübersehbarer Beweis dafür, dass viele sprachliche Blüten von der bösen Männerwelt geprägt worden sind. Bitte: Nix für ungut.

Eine Reihe von weiblichen Vornamen sind zu Schimpfwörtern degradiert worden, so etwa „dumme Durl, Gretl, Urschl“ zu „Dorothea, Margarete, Ursula“, ferner „Kàthl, Zenz, Màl, Wàm (Wàben)“ zu „Katharina, Kreszenz, Maria, Barbara“. Besonders ehrenrührig ist „Màtz“, verstärkt: „Dreck-, Hunds-, Sau-, Schinder-, Regimentsmàtz“. Das Wort ist an sich nichts anderes als die Kurz- und Koseform zu „Mathild“ oder „Machthild, Mechthild“; es könnte auch von „Matthias“ kommen, wenngleich das grammatische Geschlecht immer weiblich ist, „die Màtz“. Über einen gewieften, raffinierten Menschen, weiblich oder männlich, kann man anerkennend hören: „A Matz is ’s/a scho!“, wobei die gleiche Bedeutungsspanne herrscht wie bei „Hund, Hundling“: entweder verächtliche Herabsetzung oder Lob.

Bezeichnungen für Gebrauchsgegenstände finden sich umfunktioniert, wenn eine Frau verunglimpft wird als „Rutschn“ (vor allem „Kircharutschn“ für bigottes, altes Weib) oder „Besn“ (unansehnlich, mürrisch), als „Bürschtn“ (kratzbürstig, hässlich), als „Fetzen, Hadern“ (schlampig, liederlich), als „Heigeing“ (sehr mager, dürr, unansehnlich; von „Heugeige“, hölzernes Gestell zum Trocknen von Heu), oder als „Beißzang“ (zänkisch). Eine altjüngferliche Frau nennt man „Scharteckn“; die Grundbedeutung von „Scharteke“ ist „altes wertloses Buch“. Als „Ràtschn“ verschrien können nicht nur Frauen sein, sondern auch Männer.

In Petra Morsbachs Roman „Gottesdiener“ heißt es: „Vielleicht war sein Pech, dass er eine viel gescheitere Frau geheiratet hatte, eine zähe, willensstarke Bißgur’n, die ihn immer, wenn sie unzufrieden war, mit Nichtachtung strafte.“ Mit „Bißgurn, Bissgurre“ war ursprünglich eine bissige Gurre, also Stute gemeint.

Weil man das Wort „Gurre“ nicht mehr kannte, entstanden volksetymologische Umbildungen wie „Bißgurkn, -gurgl“. Immerhin ist „Gurgel“ allein gängig als Bezeichnung einer Xanthippe, auch einer ausbeuterischen Frau. „Die Hausbesitzerin, die alte Gurgl, hat ihnen die Miete schon wieder erhöht.“ Widerliche Herrschsucht unterstellt man einer Frau, die als „Hausdrache(n)“ berüchtigt ist. In der Küche ein strenges Regiment führt der „Kuchl-Dragoner“. Sowohl „Drache(n)“ als auch „Dragoner“ sind entlehnt aus lateinisch „draco,“ bzw. griechisch „drakon“.

Unterschiedliche Wertungen stellen wir fest, wenn Tiernamen auf weibliche Personen angewandt werden: „Spatz, Spozl, Spozale; Kàtzerl, Miezi, Maus, Mausi, Mauserl, Has, Hasi, Hàserl, Schneck, Schneckerl“ und andere mehr sind liebkosend. Leicht verächtlich klingen „Goaß“, „Gànserl“ (unerfahren, naiv). Ein schüchternes Mädchen nennt man ein „Singerl“ (Kücken). Eindeutig abfällige Beurteilung schwingt mit bei „(Spinat-) Wachtel, Schnepfe(n)“ (verschroben, wunderlich), „Ratz, Bachratz“ (hässlich), erst recht bei „dumme Gans, blöde Henn(en) (Hen, Hena), Kuh“. Beleidigend und ehrenrührig ist die Titulierung mit mundartlichen Bezeichnungen für Mutterschwein: „Zuchtl, Nasch, Lous/Loas“ (dick, schlampig, verwahrlost, moralisch verwerflich).

„Flitsche(n), Flitscherl“ (mit langem „i“; auch „Fludschn, Fludschal“) sind die bairischen Entsprechungen für „Flittchen“. Gemeint ist ein leichtfertiges junges Mädchen. „Flitscherl“ und „Flittchen“ hängen zusammen mit „flittern“ (flattern, glitzern, kichern, liebkosen; vgl. „Flitterwochen“).

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