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Zur Suppn gibts heit frische Baunzen

Zum Monatsende gibt es wieder Wissenswertes rund um den Dialekt. Der MZ-Dialektexperte, Professor Ludwig Zehetner, beantwortet die Fragen der Leser.

Drin sol es loun, däi ungampade dia

Das Möbelstück durchs Treppenhaus zu transportieren bereitet viel Ärger, immer wieder eckt man am Geländer an oder streift die Wand: Es ist halt recht „unkampert“, d. h. sperrig, schwierig zu handhaben. Das Eigenschaftswort kann auch ‚missgestaltet, widerlich‘ bedeuten oder ‚starr‘, bairisch „gstàrrad“. Es existiert in der genannten Form, daneben kommt „ungampert“ vor. Eugen Oker, gebürtiger Schwandorfer, schimpft über „die ungamperte Leinwand“ eines Ölgemäldes. In einem Gedicht beklagt er sich darüber, dass er seine alte, unansehnliche Haustür aus Gründen des Denkmalschutzes nicht durch eine neue ersetzen darf: „drin sol es loun / däi ungampade dia / wals äiz afaramal malarisch is.“ Aus seiner Heimat in der Gegend von Vohenstrauß kennt der Einsender die Varianten „unglampfert, unglampf“. Letztere scheinen den Weg zu weisen auf die Herkunft. Das 2013 erschienene „Dialektwörterbuch von Bayerisch-Schwaben“ (von Werner König und Brigitte Schwarz) enthält das Stichwort „unklampert“ mit folgenden Bedeutungen: ‚(1) unhandlich, unförmig, schwer anzufassen und zu bewegen; (2) unpassend, schlecht geeignet; (3) (Wiese) schwierig zu mähen; (4) (Person) a) kräftig, aber ungeschickt, unbeholfen, linkisch; b) unanständig, unruhig, mutwillig, ausgelassen, flegelhaft‘. Es wird erwogen, dass das Adjektiv zum Wortstamm von „Klampen, Klumpen“ zu stellen ist. Bairisch „Klampfe(n)“ bedeutete ursprünglich ‚Klammer‘, hat sich dann als Bezeichnung für ‚Gitarre‘ eingebürgert, auf der man „klampfert, klampert“ (klimpert). Merkwürdig bleibt, dass die erwähnten bairischen Formen teilweise weder „l“ enthalten noch „pf“. Die Vorsilbe „un-“ ist hier jedenfalls nicht als Negation zu verstehen, sondern als Verstärkung – wie etwa in „Unzahl, Unmenge“ (große Zahl, gewaltige Menge).

Die Auskunft wünschte Ewald Komor.

Ehegatten müssen zusammenpassen

Für ‚unförmig, grob gestaltet, unpraktisch, unhandlich, unbequem‘ gibt es – außer dem oben behandelten „unkampert“ samt Nebenformen – die Dialektwörter „ungàttle“ und „ungschouft“. – Bei „ungàttlich“ zeigt das Präfix „un-“ an, dass es sich um das Gegenteil von „gàttlich“ handelt, dem das niederdeutsche Adjektiv „gätlich“ (= passend) entspricht. Im Schwäbischen kennt man „ungättelig, ungattelich“. Allesamt sind Ableitungen vom mittelalterlichen Verb „gaten“ = ‚zusammenpassen, sich aneinander-, ineinanderfügen‘. Die hochsprachlichen Wörter „begatten, Gatte, Gattin, Gattung“ gehören zu diesem Wortstamm. – „Ungschrouft“ dürfte zusammenhängen mit „Schrofen, Schroffen“ = ‚unförmiger spitzer Stein, Felsklippe, Eisbrocken‘, wovon das Eigenschaftswort „schroff“ abgleitet ist. Im Gegensatz zu den obigen Wörtern mit „un-“ ist das Präfix als Verstärkung zu verstehen, nicht als Negierung.

Die Auskunft wünschte Renate Lachner aus Mühlhausen.

„Do mou-e scho gleng hi-schaua“

„Do mou-e scho gleng hi-schaua“, sagte eine alte Dame aus Geisling bei Pfatter, wenn sie etwas genau und aus der Nähe betrachten wollte. Das Adverb „gleng“ ist nichts anderes als „gelegen“, was auch in der Hoch- und Schriftsprache verwendet wird im Sinn von ‚zur Hand, zur rechten Zeit, passend, günstig‘, aber auch ‚exakt, genau‘: „Der Lottogewinn kommt mir sehr gelegen, zu gelegener Zeit“. Die „Gelegenheit“ ist davon abgeleitet.

Eingesandt von Eva Schachinger

Apfel- und Zwetschgen-Bainsla sind Rohrnudeln

Einer Leserin ist aufgefallen, dass Hefenudeln in ihrer Heimat Großberghausen im ehemaligen Landkreis Beilngries als „Bainsla“ bezeichnet werden, was im nahe gelegenen Deining unbekannt sei. In anderen Nachbarorten heißen sie „Ofa-Gnela“ (Ofenknödel), beim Bäcker aber einfach „Rohrnudeln“. Es gibt „Apfl-Beinsla, Zweschn-Beinsla“ oder eben auch ungefüllte „Beinsla“. Das Wort ist die Verkleinerungsform auf „-la“ zu „Baunze“, wäre also verhochdeutscht „Bäunzlein“. Das „Bayerische Wörterbuch“ von Johann Andreas Schmeller führt das Stichwort „(der) Bauzen“ auf, dessen „au“ nasaliert gesprochen wird und daher besser als „Baunzen“ anzusetzen gewesen wäre. Definiert wird es u. a. als „knollige Teigform, als Mehlspeise üblich“, die „Apfel-Bäu(n)zlein (Bainzl)“ als „zerschnittene Äpfel, mit Teig in Schmalz geröstet“. Bereits das 1689 gedruckte „Glossarium Bavaricum“ des Regensburgers Johann Ludwig Prasch verzeichnet „Bauntzen“ mit der Angabe „cibi genus“, eine Art Speise.

Die Frage wurde eingesandt von Roswitha Bäumler.

Stammt der „Heuchtl“ von Heinz ab?

In der mittleren und nördlichen Oberpfalz kennt man „Heuchtl“ als Bezeichnung für einen begriffsstutzigen und recht einfältigen Menschen. Mit „Hoichtl, Heuchtl“ könnte eine abgewandelte Form von „Heinzl“ vorliegen: Diminutiv von „Heinz“ zu „Heinrich“. Die Lautgruppe „einz“ tritt mundartlich als „oiz“ auf (vgl. „einzig › oizig“). Problematisch bleibt „cht“. Vielleicht nichts anderes ist als eine spielerische Umformung? Wenn, wie zu vermuten, von „Heinz“ auszugehen ist, wäre „Hoichtl“ einzureihen in die als abfällige Bezeichnung verwendeten Vornamen, z. B. (männlich) „Xaverl, Hiasl, Lucki; (weiblich) Gretl, Durl (Dorothea), Urschl“.

Die Frage stellte Lydia Raab.

Heißt der Brotanschnitt Scherzl oder Sterzl?

Für den Anschnitt eines Brotweckens oder -laibes bzw. dessen Endstück gibt es in Altbayern eine große Anzahl von Bezeichnungen. Die größte Verbreitung hat „Scherz, Scherzl“; so sagt man fast in ganz Ober- und Niederbayern, im Bayerischen Wald und in der südlichen Oberpfalz. In einem kleinen Gebiet östlich von Landshut ist „Rànkerl“ üblich, zwischen Landshut und Passau „Anscherz(l)“, „Ortscherz(l)“ um Laufen, Freilassing. Ebenfalls kleinräumig verbreitet, ist „Sterz, Sterzl, Stàrzla“ usw., nämlich an der Altmühl in Teilen des Landkreises Neumarkt i. d. Opf. Die nördliche Hälfte der Oberpfalz und weite Teile Oberfrankens sowie das westlichste Oberbayern kennen „Ranft, Rànftl“ mit einer Vielzahl von Aussprachevarianten.

„Scherz(l)“ ist herzuleiten von althochdeutsch „skerzan“ = ‚abschneiden‘; (verwandt sind „Schurz“ und englisch „short“). Für „Sterz(l)“ als Benennung des Brotendes kommt einerseits in Frage seine feste, „starre“ Konsistenz (mittelhochdeutsch „starzen, sterzen“ = ‚steif emporragen‘), andererseits, dass es sich um das Ende handelt („Sterz“ = Schwanz der Ente; Stange am Ende eines Langholzfuhrwerks). – Jedenfalls ist die Unterhaltung darüber durchaus amüsant, vor allem, wenn Franken sich daran beteiligen, die dann Lautformen von „Knorz, Kruste, Kipf, (An-) Deckel, Kuppe“ usw. einzubringen haben, ganz zu schweigen von Leuten aus dem deutschen Norden oder Osten, die ihrerseits „Kanten, Knust“ usw. beisteuern.

Die Auskunft wünschte Julia Lang.

Die „Stitzen“ und die „Bitschen“

„Gelte(n)“ und „Stütze(n)“ sind alte Wörter für bestimmte Gefäße. Der ‚Melkeimer‘ ist die „Zeidlgeltn“, gebildet aus dem alten Verb „zeideln“ = ‚melken‘ und dem Grundwort „Gelte(n)“ = ursprünglich ein hölzernes Gefäß, ein Schöpfgefäß oder eben ein Eimer, in den die Milch hineingemolken wird. Eine „Stitzen“ („Schdiezn“) bezeichnet einen Behälter für Flüssigkeiten und bedeutet in etwa dasselbe wie „Bitschen“. Neben der „Milchstitzen“ gab es die „Bleichstützen (Bloachschdiezn)“ und die „Sprengstützen“, beides Gefäße, mit denen man Wasser auf die auf der Bleiche liegende Wäschestücke versprengte, spritzte.

Eingesandt von Helga Riezler aus Aufhausen

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Noch mehr Bayerisch mit dem Dialektpapst Prof. Dr. Ludwig Zehetner gibt es in unserem Podcast „Basst scho!“.

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