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Bernhard Zierer hat ein Heiratsfeld

Der 24-jährige Rodinger half seinem Freund beim Heiratsantrag. In ein Feld pflügte er Buchstaben. Hochzeitsexperten staunen.
Von Martin Kellermeier

Bernhard Zierer hat für einen Freund den Heiratsantrag ins Feld gepflügt. Foto: Benjamin Franz
Bernhard Zierer hat für einen Freund den Heiratsantrag ins Feld gepflügt. Foto: Benjamin Franz

Roding.Das „S“ im Gerstenfeld entsteht im sogenannten Hundegang. Die Vorderreifen des 450 PS starken Schleppers, einem Claas Xerion 4000 (Neupreis ab 450 000 Euro), zeigen nach links, die Hinterreifen nach rechts. Bernhard Zierer, 24 Jahre alt aus Zimmering bei Roding im Kreis Cham, sitzt am Steuer des 16-Tonnen-Kolosses. Hektisch blickt er nach vorne und hinten. Die Kabine in vier Metern Höhe ist vollverglast. Der Schweiß tropft Zierer von der Stirn.

So sieht einer der wohl schönsten Heiratsanträge Ostbayerns aus der Luft betrachtet aus. Foto: Zierer
So sieht einer der wohl schönsten Heiratsanträge Ostbayerns aus der Luft betrachtet aus. Foto: Zierer

Das „S“ ist wegen seiner Rundungen der kniffligste Buchstabe in der alles entscheidenden Frage „Willst du mich heiraten?“, sagt Zierer. Letzte Woche hat er den Heiratsantrag in sein Feld bei Geresdorf, circa zehn Autominuten von Roding entfernt, gepflügt – und das nicht, um damit seine Freundin Nicole zu überraschen.

Die Pflügerei mit dem Schlepper und seinen 2,15 Meter hohen Reifen war ein Freundschaftdienst. Alexander Rüppel aus dem unterfränkischen Wiesthal, ein alter Klassenkamerad von Zierer, wollte seiner Julia Hackl (22) aus Burglengenfeld einen Antrag machen – und der sollte ausgefallen sein.

„Das war das schönste Ja, das ich bisher gehört habe“

Alexander Rüppel

Entstanden ist einer der wohl romantischsten Heiratsanträge Ostbayerns. Zehn mal 14 Meter große Buchstaben stellten der angehenden Braut die wichtige Frage. „Das war das schönste Ja, dass ich bisher gehört habe“, schwärmt Alexander Rüppel gegenüber der Mittelbayerischen. Als er seiner Verlobten die Augenbinde auf einer Anhöhe gegenüber des Feldes am Samstag abgenommen hatte, kribbelte es in seinem Bauch, sagt er. Das alles ist am vergangenen Samstag passiert.

GPS-Koordinaten halfen

Sie freuen sich aufs Heiraten: Julia Hackl und Alex Rüppel. Foto: Hackl
Sie freuen sich aufs Heiraten: Julia Hackl und Alex Rüppel. Foto: Hackl

Bereits im Frühjahr starteten die beiden Freunde die Planungen für den Antrag. „Ich war ja am Anfang eher skeptisch“, gibt Zierer zu. Mit GPS-Koordinaten und einem Messrad haben die beiden Forstwirte Vorarbeit geleistet und die Größe der Buchstaben auf der 180 mal 65 Meter großen Fläche festgelegt. Am Freitag wurde dann gepflügt. „Alex hat mir per Funkgerät Anweisungen gegeben“, sagt Zierer. Normal pflügt er mit dem Schlepper der Firma Schorpp aus Falkenstein Internetkabel in den Boden. „Große Maschinen sind meine Leidenschaft“, sagt der 24-Jährige.

Perfekte Sicht aus der Führerkabine: Hier entsteht gerade ein „H“. Foto: Benjamin Franz
Perfekte Sicht aus der Führerkabine: Hier entsteht gerade ein „H“. Foto: Benjamin Franz

Die Arbeiten für den Antrag im Feld waren für die Anwohner in Geresdorf scheinbar so ungewöhnlich, dass ein Mann sogar die Polizei alarmiert hatte – auch weil Zierer und Rüppel öfter mit einem Lieferwagen zum Feld und wieder zurückgefahren sind. „Der Herr meinte, dass wir ihn Ausspähen wollten“, sagt Zierer. Die Polizeistreife musste nicht anrücken – ansonsten wären die Beamten Zeugen stilvoller Feldarbeit geworden.

Ein Autoverkehr wie noch nie

In den sozialen Netzwerken hat sich das Bild vom Antrag im Feld wie ein Lauffeuer verbreitet. Jetzt könnte der Rodinger Ortsteil einen Straßenausbau vertragen. „Da war in den letzten Tagen Autoverkehr wie noch nie“, sagt Zierer und freut sich: „Das war die geilste Aktion, die Alex und ich je gemacht haben!“

Andrea Hahn aus Regensburg organisiert Hochzeiten. Foto: Hahn
Andrea Hahn aus Regensburg organisiert Hochzeiten. Foto: Hahn

Auch echte Hochzeitsexperten sind auf den originellen Heiratsantrag aufmerksam geworden. „Dieser Mann meint es wirklich ernst“, sagt die Regensburger Hochzeitsplanerin Andrea Hahn. Jeder Bräutigam geht anders vor. Hahn: „Der eine macht das auf der Couch in der Jogginghose, der andere lässt sich sehr viel einfallen.“ Die Idee mit dem Feld findet die Eventorganisatorin „sehr außergewöhnlich“.

„Wer einen Heiratsantrag mit Stil braucht, ist bei mir an der richtigen Adresse“

Bernhard Zierer

Vielleicht könnte das ja sogar eine Geschäftsidee werden? „Wer einen Heiratsantrag mit Stil braucht, ist bei mir an der richtigen Adresse“, sagt Bernhard Zierer. Zwei Wochen lang lässt er den Schriftzug noch auf dem Feld stehen, dann wird gepflügt und anschließend Gelbsenf angebaut. Der junge Forstwirt könnte sich aber auch vorstellen, dass das Gerstenfeld bei Geresdorf zu einem Heiratsfeld wird. „Da wäre ich offen dafür, wenn es sich rentiert.“

Drei Stunden brauchte Zierer mit dem Schlepper für die Buchstaben. Foto: Benjamin Franz
Drei Stunden brauchte Zierer mit dem Schlepper für die Buchstaben. Foto: Benjamin Franz

Jetzt muss aber erstmal die Hochzeit von Julia und Alexander organisiert werden. Bernhard Zierer wird bei der Feier als Trauzeuge und Brautautofahrer erneut eine wichtige Rolle spielen. „Die Hochzeit wird aber erst in zwei bis drei Jahren stattfinden können, leider“, sagt die Braut Julia Hackl. Das liegt an ihrem Pädagogik-Studium in Würzburg. Die kirchliche Trauung soll jedenfalls auf der Kreuzbergkirche in Burglengenfeld stattfinden. Vorher will sich die Braut aber noch ein Dankeschön für den Antrag überlegen.

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Bernhard Zierer hat ein anderes Problem. Seit zwei Jahren ist er mit seiner Freundin Nicole zusammen und sagt: „Im Nachhinein hätte ich ihr auch gleich einen Antrag beim Feld machen können.“ Dafür ist es jetzt zu spät. „Jetzt muss ich Alexanders Antrag übertreffen“, sagt Zierer.

Das könnte schwer werden. Denn das Feld bei Geresdorf erweist sich als perfekter Ort dafür. Wenige Tage nach dem Antrag spazierten vier Weißstörche über den Acker. „Störche hatten wir in Geresdorf noch nie“, sagt eine Anwohnerin der Mittelbayerischen. Wenn das kein gutes Omen ist ...

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