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Wo der Erbprinz einst zum Halali blies

Mit Schloss Haus, dem dem Wohnsitz des einstigen Erbprinzen von Thurn und Taxis, hat die Familie Weitzel aus Rheinhessen einen ganzen Ortsteil erworben.
Von Tanja Rexhepaj, MZ

  • Sanft renoviert: das Badezimmer
  • Ganz in Weiß: eines der Gästezimmer
  • Über 1600 Quadratmeter Wohnfläche verfügt Schloss Haus in Neueglofsheim. Fotos: Schönberger

Neueglofsheim. Manchmal kann es Birgit Skanta-Weitzel selbst noch gar nicht so richtig fassen, was sie hier geschafft hat: Gemeinsam mit ihrem Mann Thomas und einer Hundertschaft von Handwerkern haben sie innerhalb von fünf Monaten Schloss Haus in Neueglofsheim wieder komplett renoviert. „Ich selbst habe hier im Blaumann gearbeitet und den Staub fast nicht mehr aus meinen Haaren gekriegt“, sagt die neue Schlossherrin. Nach 35 Jahren Leerstand galt es, 1600 Quadratmeter Wohnfläche wieder herzurichten. Heizung, Sanitäranlagen, Elektro, Dämmung – das alles musste völlig neu gemacht werden. Böden mussten abgeschliffen und versiegelt, Fenster neu eingesetzt werden. Nachdem die Weitzels lange in England, Schottland und Irland nach einem Schloss gesucht hatten, waren sie 2008 in der Gemeinde Thalmassing fündig geworden. Dort hatte das Fürstenhaus Thurn und Taxis eine Immobilie im Angebot – oder besser gesagt: einen ganzen Ortsteil. Denn mit dem Kauf von Schloss Haus sind die Weitzels Besitzer von ganz Neueglofsheim geworden. Seit anderthalb Jahren leben die Architektin und der Fotograf nun in dem 22-Einwohner-Ort. „Ich fühle mich hier unheimlich wohl“, sagt Birgit Skanta-Weitzel.

Sanfte Renovierung

Wo noch in den 1960er Jahren Erbprinz Franz Joseph von Thurn und Taxis, ein Großonkel des jetzigen Fürsten Albert, mit Frau und fünf Kindern zuhause war, hat sich das Ehepaar Weitzel mit seinen beiden Töchtern und dem Sohn eine Wohnumgebung geschaffen, in der Altes und Neues aufs Wunderbarste miteinander verquickt sind: In den mächtigen alten Holzofen ist ein moderner Induktionsherd integriert, in der ehemaligen Telefonkabine des Erbprinzen steht die Golfausrüstung und in der Silberkammer ist eine Gummistiefel-Bar nach englischem Vorbild zu finden.

Wo vor rund 350 Jahren Mönche den Kreuzgang entlang wandelten, haben nun die französischen Hütehunde Taylor und Hiver ihr Domizil. Und im ehemaligen Waschhaus haben sich die Weitzels einen Wellnessbereich eingerichtet. „Wir sind sehr sanft bei der Renovierung vorgegangen“, sagt Birgit Skanta-Weitzel. Bei neuen Türen oder Gittern haben sie sich an historische Vorbilder gehalten, bei der Ausgestaltung der Wände haben sie im gesamten Schloss ein einheitliches System eingeführt, bei dem die Stockwerke nach Farben unterschieden werden: Im Erdgeschoss gelb, im ersten Stock rot und im zweiten Stock grün.

Im Weißen Salon hält sich Birgit Skanta-Weitzel am liebsten mit Damenbesuch auf, die Herren ziehen sich gerne ins Kaminzimmer zurück. So viele Gäste, wie einst Franz Joseph von Thurn und Taxis hatte – bei großen Jagdgesellschaften versammelten sich gut und gerne 200 Menschen auf Schloss Haus – beherbergen die Weitzels zwar nicht, aber sie haben eine Handvoll Gästezimmer, in denen sie gerne Besuch aus dem In- und Ausland empfangen. Diesen bewirten sie inzwischen auch mit Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten.

Als großstädtisch geprägte Rheinhessen lassen sich die Weitzels bei der Arbeit im Garten gerne vom örtlichen Obst- und Gartenbauverein und ihrer kundigen Hauswirtschafterin beraten. „So sind wir hier schon fast völlig autark geworden“, sagt Birgit Skanta-Weitzel. Auf ihrem insgesamt 20 Hektar großen Besitz wachsen neben den Obst- und Gemüseanpflanzungen auch Mammut- und Gingkobäume.

„Deutsches Museum“ im Schloss

Beheizt wird Schloss Haus mit Hackschnitzeln und einem Blockheizkraftwerk. Neben den Heizungsräumen liegt das, was Birgit Skanta-Weitzel „unser Deutsches Museum“ nennt: Bei der Renovierung sind sie auf einige Dinge gestoßen, die sie nicht einfach so wegwerfen wollten, Gegenstände mit dem fürstlichen Wappen zum Beispiel. Das „Deutsche Museum“ ist aber auch schon die einzige „Rumpelkammer“ des Schlosses. Birgit Skanta-Weitzel und Thomas Weitzel haben bei der Renovierung nämlich penibel darauf geachtet, dass keine Baustellen im Schloss erhalten bleiben. In diesem Sinne war ihre Geschichte, die der Renovierung von Schloss Haus, also schnell beendet. Doch eine andere hat gerade erst begonnen: Im vergangenen Jahr wurden die Weitzels vom Landkreis Regensburg mit dem Denkmalschutzpreis geehrt. Und nun winkt vielleicht sogar der Denkmalpreis 2011 der Hypo-Kulturstiftung.

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