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Schrecklicher Fund im Brunnenschacht

Es war eine der großen Schlagzeilen Ostbayerns. Doch auch nach 35 Jahren bleibt der Sexualmord an der 15-jährigen Schwandorferin Christa Mirthes ungeklärt.
Von Reinhold Willfurth, MZ

  • Im Brunnenschacht eines abbruchreifen Hauses in Schwandorf wurde die Leiche gefunden. Foto: MZ-Archiv
  • Die Recherche an den Schauplätzen brachte keine brauchbaren Hinweise. Foto: MZ-Archiv
  • Christa Mirthes wurde auf bestialische Weise getötet. Foto: MZ-Archiv
  • Ein Fernsehteam versuchte 2003 Licht ins Dunkel des Falls zu bringen. Foto: MZ-Archiv

SCHWANDORF. Der Täter musste von hier stammen. Wer sonst hätte sich in dem leerstehenden Haus in der Klosterstraße 30 ausgekannt? Zu diesem abschließenden Ergebnis kamen die Ermittler der Kripo Amberg, nachdem die Leiche von Christa Mirthes in einem Brunnenschacht mitten in dem maroden Gebäude in der Schwandorfer Innenstadt entdeckt worden war. Es blieb das einzig greifbare Ermittlungsergebnis. 35 Jahre nach der Tat ist die Akte der Soko „Mirthes“ noch nicht geschlossen. Der Mörder des damals 15-jährigen Mädchens läuft immer noch frei herum, wenn er nicht mittlerweile gestorben ist.

Am 16. Juni 1978 tummeln sich der zehnjährige Thomas und sein elfjähriger Freund Ewald in dem verlassenen Haus mit seiner geisterhaften Atmosphäre in der Klosterstraße. Das Gebäude ist ein wunderbarer Abenteuerspielplatz für die Buben – bis sie eine grausige Entdeckung machen: Aus einem Unrathaufen in einem Brunnenschacht ragt eine Hand. Die Buben halten sie für die Gliedmaßen einer Puppe. Trotzdem kommt es ihnen komisch vor, dass sich darauf so viele Fliegen sammeln. Sie rufen einen Nachbarn herbei. Johann J. erkennt schon am stechenden Leichengeruch, dass die Hand zu einem toten Menschen gehören muss. Wenig später riegelt die Polizei das Haus ab. Die Leiche von Christa Mirthes liegt zusammengekrümmt in dem schmalen Schacht. Sie ist nackt und trägt Spuren bestialischer Gewalt. Der Mörder hat mit einem stumpfen Gegenstand Kopf und Kiefer der 15-Jährigen zertrümmert. An Brust, Arm und Unterleib finden sich mehrere Einschnitte.

Ermittlungen im Rotlichtmilieu

Fieberhaft beginnen die Beamten der Soko „Mirthes“ die Suche nach dem Mörder. Sie konzentrieren sich auf das Rotlichtmilieu der Kreisstadt und ihrer Umgebung. Christa Mirthes galt als „Rumtreiberin“. Schon mit 13 Jahren soll das hübsche Mädchen als Animierdame im „Seehaus Neubäu“ gearbeitet haben, einem Bordell vor den Toren Schwandorfs. Auch in weiteren Nachtklubs der Region war die Schülerin öfter zu Gast. Im März 1977 wurde sie nachts betrunken vor dem Eingang zum Truppenübungsplatz Hohenfels aufgegriffen. Sie hat viele Männerbekanntschaften und bleibt oft von zuhause weg. Die Kripobeamten befragen Gäste und Angestellte, kommen aber keinen Schritt weiter.

Auch die Rekonstruktion der möglichen Tatzeit endet im Nichts. Am 28. April 1978 trifft Christa Mirthes auf dem Schwandorfer Marktplatz einen Bekannten, lässt sich eine Zigarette geben und verabschiedet sich dann in Richtung Diskothek „Captain Cook“. Zwei Schülerinnen wollen sie dann noch zwei Tage später auf dem Weg zum „Elvis Club“ gesehen haben. Zum letzten Mal lebend soll sie am 1. Mai gesehen worden sein. Dann verliert sich ihre Spur.

Während sich in Schwandorf Gerüchte über den möglichen Tathergang verbreiten wie ein Krebsgeschwür, halten sich die Polizeibeamten an die Fakten. Die stehen jedoch weiterhin nur sehr spärlich zur Verfügung. Weder Christa Mirthes’ in der Nähe des Auffundorts zurückgelassene schwarze Veloursjacke mit gelbem Teddyfutter noch ihre grünen, hochhackigen Schuhe mit Plateausohle im typischen Stil der siebziger Jahre geben Hinweise auf den Mörder. Um im Chaos des Abbruchhauses Blutspuren zu sichern, wird der Raum rund um den Brunnenschacht mit dem fluoriszierenden Mittel „Luminol“ ausgespritzt. Doch nur an zwei Stellen finden die Ermittler geringe Spuren von Blut, und die lassen sich nicht eindeutig zuordnen. Zumindest ist damit klar, dass der Auffindeort nicht der Tatort gewesen sein kann. Keine Hinweise liefern auch die am Tatort gefundenen Schmuckstücke, etwa das Halskettchen des Opfers, in dessen Anhänger der Name „Peter“ eingraviert ist.

Alle Hinweise führen ins Nichts

Gut vier Meter vom Brunnenschacht entfernt wird ein goldfarbiger Anhänger in Form eines Wanderschuhs gefunden. Mit einem Phantombild wird nach einem zirka 40jährigen Mann mit schwarzen Haaren, auffallend dunkler Gesichtsfarbe und fränkischem Dialekt gesucht. Bis heute vergeblich. Mit jedem Jahr schwinden die Chancen, dass der Mörder der 15-Jährigen noch gefunden wird. Die Akte Mirthes bleibt weiter geöffnet. Mord verjährt nicht.

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