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Musical

Aus lauter Träumen erwachsen

Bei der Premiere von „Die Schöne und das Biest“ lässt sich das Publikum verzaubern. 200 Kinder des Cantemus-Chors sind dabei.
Von Peter Geiger

Die Schauspieler Leonhard Espenhain (Tassilo), Yinjia Gong (Biest) und Eva Wolfsteiner (Belle) können den Zauber des Märchen-Musicals „Die Schöne und das Biest“ auch jenseits der Bühne erwecken.  Foto: Uwe Moosburger/ altrofoto.de
Die Schauspieler Leonhard Espenhain (Tassilo), Yinjia Gong (Biest) und Eva Wolfsteiner (Belle) können den Zauber des Märchen-Musicals „Die Schöne und das Biest“ auch jenseits der Bühne erwecken. Foto: Uwe Moosburger/ altrofoto.de

Regensburg.Es klingt wie ein Märchen innerhalb eines Märchens: Da stemmt das Theater Regensburg die Musical-Großproduktion „Die Schöne und das Biest“ auf die Velodrom-Bühne – und begleitet wird das Ganze, das am Samstagnachmittag um 16 Uhr seine zauberhafte Premiere erfuhr, vom Regensburger Cantemus-Chor. Also jener zur Institution gereiften Einrichtung, die hier vor Ort mit Kindern und anderen Laien das leistet, was Profi-Arbeit genannt werden muss.

Auch die Rahmenstory, die den aus dem Frankreich der Romantik stammenden Musicalstoff trägt, sie ist ganz und gar fantastisch: Belle (Eva Wolfsteiner) – ihr Name ist Programm! – sie ist nicht nur das schönste Mädchen im Dorf. Nein, sie hat auch eine ebensolche Seele, weshalb sie gerne Bücher liest und ihren Vater (Hubert Kramer) – ein Kreativgenie der Extraklasse – abgöttisch liebt. Dass sich Gaston (Robert Herrmanns), der Dorf-Macho, so sehr für sie interessiert, dass er sich sogar ihren Namen auf seine muskelgestählte Brust tätowieren lässt, ist Belle dagegen herzlich schnuppe.

Als ihr Vater aber plötzlich vermisst wird, und zwar im Wald, der ans Dorf angrenzt, da ist nicht nur ihr Familiensinn, sondern auch ihre Leidenschaft geweckt. Sie geht ihn also suchen. Und gelangt dabei an ein Schloss. Dort lernt sie lauter verrückte Bewohner kennen, den kleinen Tassilo (Leonhard Espenhain) etwa, der gekleidet ist wie eine Teetasse, und seine Mutter Pottine (Vera Semieniuk), die aufgrund ihrer Fischbeinstäbchen-Krinoline das Volumen einer Teekanne erreicht. Oder den von einem inneren Uhrwerk angetriebenen Herrn von Unruh (Lorenz Hauser) sowie seine feurige Freundin Lumiere (Ruth Müller).

Verrückte Schlossbewohner

Was Belle nicht weiß: Diese Wesen, sie sind alle verzaubert! Weil der Schlossherr (Yinjia Gong) sich zeitlebens als so eitel und hartherzig erwiesen hatte, dass das Schicksal keine andere Wahl hatte, als ihm dieses Los zuzuteilen. Und ihn obendrein mit den schrecklichen Zügen eines Biests ausstattete – und zwar so lange, bis er durch die Kraft wahrhafter Liebe ein Gegenmittel erfährt.

Wir wären nicht im Märchen-Musical, würde sich nach eineinhalb Stunden kurzweiligen Spiels nicht alles zum Besten wenden. Nur einer schaut am Ende dumm aus seiner, mittlerweile von überschüssiger Muskelkraft zerrissenen Wäsche: Gaston, der vergebliche Kämpfer. Er verkörpert jenen rückschrittlichen Typus rücksichtsloser Männlichkeit, den die begehrenswerte Belle auf immer verpönt.

Wundersames ereignet sich auch unmittelbar auf der Bühne. Denn die von Eva-Maria Eiberger verantwortete Inszenierung versteht es meisterhaft, die Riesenzahl von 200 Kindern des Cantemus-Chors nicht nur sängerisch zu integrieren. Auch szenisch harmonieren die Bühnenneulinge so überzeugend mit den ihnen an die Seite gestellten Profis, dass an keiner Stelle ein Klassen-Unterschied erkennbar wird.

Vertrauen auf Wunder

Die Musik wiederum liefert Uli Forster mit seiner Piu-Piu-Band. Gemeinsam können sie auf mehr als 30 Produktionen mit dem Cantemus-Chor zurückblicken. Schon vor Beginn sind er und seine Mitmusiker Blickfang für die vielen Kinder im Publikum: Denn vom Bühnenrand aus kann man tief hinabblicken in den Orchestergraben.

Kinder brauchen Märchen.

Aber was wären Erwachsene für Menschen, fehlte ihnen das Vertrauen, auf Wunder zu hoffen und auf das Unwahrscheinliche zu setzen? Weisheit und Reife, sie beinhalten doch viel mehr als die bloße Fähigkeit, Naivität zu überwinden und den Kinderglauben abzulegen. Der Cantemus-Chor mit seinem Leiter Matthias Schlier liefert seit einem märchenhaft anmutenden Vierteljahrhundert ein eindrückliches Beispiel für jene Art von Realität, die aus lauter Träumen erwächst.

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