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Psychologie

Was uns das Lachen verrät

Es heilt, steckt an und kommuniziert: Wer lacht, wird überall auf der Welt verstanden. Aber nur, wenn es ehrlich gemeint ist.
Von Claudia Pollok, MZ

Da muss man einfach mitlachen – und das hat seinen Grund: Menschen spiegeln die Mimik des Gegenübers, um zu erkennen, wie sich der andere fühlt.
Da muss man einfach mitlachen – und das hat seinen Grund: Menschen spiegeln die Mimik des Gegenübers, um zu erkennen, wie sich der andere fühlt. Fotos: dpa/Fotolia; Collage: MZ-Infografik

Regensburg.„Einer geht noch: Kommt ein Dalmatiner im Kaufhaus an die Kasse. Fragt die Verkäuferin: ‚Sammeln Sie auch Punkte?‘“, sagt Paul und prustet los. Er und Sophie kugeln sich auf dem Spielplatz vor Lachen. Sie brüllen und kreischen, bis ihnen die Bauchmuskeln wehtun. Ähnliche Szenen können wir auf der ganzen Welt beobachten – denn Menschen lachen überall auf die gleiche Weise. Dr. Christof Kuhbandner, Psychologie-Professor an der Universität Regensburg, findet das erstaunlich: „Gesten, wie etwa das Kopfschütteln, können in anderen Ländern etwas anderes heißen als bei uns. Aber wenn jemand lacht, versteht das jedes Kind und jeder Erwachsene weltweit, in indigenen Völkern genauso wie in industrialisierten Gesellschaften der westlichen Welt.“

Lachen ist Kommunikation

Wissenschaftlern zufolge war das schon immer so. In seinen Ansätzen vergleichen sie das Lachen mit den gefletschten Zähnen von Tieren. Das könnte signalisiert haben, ob ein Angriff oder eine friedliche Begegnung bevorstand. Lachen diente somit der Kommunikation. Warum wir dabei ausgerechnet die Mundwinkel hochziehen und grölende Laute von uns geben, sei im Gegensatz zu anderen Emotionen nicht sofort zu erschließen, sagt der Psychologie-Professor. Bei Ekel kneifen wir Augen, Mund und Nase zusammen. Das erscheint sinnvoll, weil wir uns damit zum Beispiel vor giftigen Stoffen schützen. Wenn wir Angst haben, reißen wir hingegen die Augen auf, um die Gefahr besser zu sehen. In der Mimik des Lachens erkennt Kuhbandner ein Entwarnungssignal, mit dem wir jemanden zeigen, dass wir ihm wohlgesonnen sind.

Echt oder unecht?

Im Lachen unseres Gegenübers erkennen wir aber noch mehr: Lachen ist ansteckend – und das hat seinen Grund. Menschen spiegeln die Mimik des anderen, um zu verstehen, wie sich dieser fühlt, erklärt der Psychologie-Professor. So stellt jemand schnell fest, ob es sich beim Gegenüber um eine echte Emotion handelt oder nicht. Denn unechtes Lachen können Menschen nicht spiegeln. Wie der französische Wissenschaftler Guillaume-Benjamin Duchenne herausfand, ziehen wir beim Lachen nicht nur die Mundwinkel, sondern auch die Wangen nach oben. Deshalb bilden sich um unsere Augen kleine Fältchen. Fehlen diese, ist es kein Duchenne-Lächeln, wie Experten das echte Lachen auch nennen. Für Kuhbandner steht fest: „Emotionen würden nicht so stark auf Menschen wirken, wären sie so leicht vorzutäuschen.“ Ein guter Schauspieler zum Beispiel erinnert sich deshalb in einer Szene, in der er lachen soll, an eine lustige Situation, um ein wahrhaftiges Lachen hervorzubringen.

Manchmal sehen wir aber auch ein Lachen, wo keines sein kann: etwa bei Tieren. Ein Hund kann aufgrund seiner Gesichtsmuskulatur gar nicht lachen, wenn er sich freut, wedelt er mit dem Schwanz. Trotzdem glauben wir ab und zu, unser Vierbeiner lächelt. Das hat nach Kuhbandner einen einfachen Grund: „Menschen springen auf visuelle Merkmale des Lachens, wie hochgezogene Mundwinkel und Augenbrauen, an. Dasselbe Prinzip finden wir beim Smiley. Selbst wenn wir nur den Mund eines Smileys auf einem Blatt Papier zeichnen, hat das auf uns schon eine Wirkung.“

Wir sporteln, wenn wir lachen

Zurück zum Spielplatz: Paul und Sophie schütteln sich nicht mehr vor Lachen, sondern sitzen regungslos nebeneinander. Ihre Atmung ist ruhig und regelmäßig und ihre Gesichtszüge haben sich entspannt. Sie fühlen sich gelöst und glücklich. Dass Lachen gesund macht, sagt schon der Volksmund. Aber was passiert beim Lachen eigentlich in unserem Körper? Professor Dr. Thomas Loew, Leiter der Abteilung für Psychosomatik am Regensburger Universitätsklinikums, vergleicht Lachen mit Joggen.

Wie beim Sport aktivieren wir beim Lachen unser Herz-Kreislaufsystem. Unser Herz schlägt schneller und unsere Atmung beschleunigt sich. Außerdem verbrennen wir Energie und unsere gesamte Muskulatur wird besser durchblutet und entspannt sich. Die Wirkung von Lachen auf unsere Psyche ist ebenso vergleichbar mit unserem Wohlbefinden nach einem Lauftraining: Wir fühlen uns gut, manchmal sogar euphorisch. Dafür sorgen die freigesetzten Endorphine. Gleichzeitig werden Stresshormone abgebaut. In diesem Zustand spüren wir sogar Schmerzen weniger stark als sonst. Deshalb nutzen viele Ärzte Lachen als Therapie.

Die heilende Kraft des Lachens

Das fange Loew zufolge schon während des ersten Gesprächs mit dem Patienten an. Als Arzt mache er bewusst lustige Bemerkungen, um zu prüfen, ob der Erkrankte überhaupt lachen kann und damit eine Depression ausgeschlossen werden kann. Klinikclowns bringen schwer kranke Kinder zum Lachen, denn die mentale Verfassung ist beim Heilungsprozess enorm wichtig. Das allein könne aber nie eine Alternative zur Schulmedizin sein. Als komplementäre Behandlung sei das aber ein sehr interessanter Weg, sagt der Mediziner.

So werden Lachübungen in verschiedensten Bereichen angewendet. Zum Beispiel in Abnehmkursen. Da eine Diät viele psychisch belastet, machen die Teilnehmer Lachübungen um mit dem Stress fertig zu werden. Ein anderes Anwendungsgebiet ist die Raucherentwöhnung. Statt der Zigarette gibt es ein lustiges Video auf Youtube. Aber auch für gesunde Menschen gilt: Wir sollten jeden Anlass zum Lachen nutzen. Auch wenn Erwachsene aufgrund der gesellschaftlichen Erwartungen schwerer drauflos prusten können als Kinder, sollten wir uns wenigstens ab und zu ein Beispiel an ihnen nehmen. Kindern ist nämlich kein Flachwitz zu dumm, um sich über ihn köstlich zu amüsieren. „Jetzt erzähl ich einen“, sagt Sophie. „Von was träumt eine Katze nachts? Von einem Muskelkater!“

Fotocollage Titel: MZ-Infografik

Bilder: Fotolia/dpa

Glosse

Reinste Freude

Pleiten, Pech und Pannen find’ ich super. Stundenlang kann ich mich durch alle möglichen Fails bei Youtube zappen. Und wenn unsere Espressomaschine mal...

Lachyoga

  • Ursprung:

  • Die Anfänge der Lach-Therapie liegen im Amerika der 70er Jahre. Als der Journalist Norman Cousins an einer schmerzhaften Entzündung erkrankte, machte er einen Selbstversuch. Denn er wusste um die körperlichen Auswirkungen eines negativen Gemütszustandes – also lachte er ganz bewusst. Und seine Schmerzen ließen nach. Lachyoga stammt aus Indien. Dr. Madan Kataria verband als erster Yogatechniken mit Lachübungen. Dabei stützte er sich auch auf die Erkenntnis von Norman Cousins. 1995 gründete er den ersten Lachclub. Von Indien aus verbreiteten sich die Lachclubs weltweit. Lachforscher Michael Titze spricht von 6000 Lachclubs in 72 Ländern. Das Online-Portal der deutschsprachigen Lachclubs listet 187 Lachclubs in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol auf.

  • Grundidee:

  • Das Prinzip des Lachyogas ist es, durch künstliches Lachen echtes, herzhaftes Lachen zu erzeugen. Da Lachen ansteckend ist, funktioniert es in einer Gruppe am besten. Lachyoga soll den Teilnehmern helfen, in Lachstimmung zu kommen. Bei vielen Übungen ahmen die Teilnehmer einfach Lachlaute nach. Sie wiederholen zum Beispiel immer wieder laut „Huhu Hahaha“. Durch Lachen wird das Wohlempfinden gesteigert, Stresshormone abgebaut und das Immunsystem gestärkt. Außerdem soll Lachen entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken. Der Weltlachtag findet jährlich am ersten Sonntag im Mai statt. Punkt 14 Uhr deutscher Zeit, lachen Menschen drei Minuten lang gemeinsam. Das erste Weltlachtag-Treffen fand am 11. Januar 1998 im indischen Bombay statt. (cp)

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