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Natur

Jäger schießen einen Perückenbock

Das Tier wurde bei Stamsried entdeckt. Es litt an einem seltenen Gendefekt, der es qualvoll sterben hätte lassen.

Der vierjährige Rehbock konnte nicht mehr sehen Foto: Moro
Der vierjährige Rehbock konnte nicht mehr sehen Foto: Moro

Stamsried.Ein alles andere als alltägliches Erlebnis hatte der passionierte Friedersrieder Jäger Ewald Plach in der Gegend von Raubersried. Er erlegte in den Nachmittagsstunden einen sogenannten Perückenbock, eine Rarität in der Natur. Der frühere Jagdvorstand der Friedersrieder Jagd, Michael Hornauer, beobachtete schon einige Tage zuvor das auffällige Verhalten eines Rehbocks in der Raubersrieder Flur. Er verständigte nach einiger Zeit seinen langjährigen Jagdpächter Ewald Plach.

Auch der Jagdpächter beobachtete den Rehbock und sah, dass er offensichtlich die Orientierung verloren hatte. Durch das Glas sah er, dass das Geweih des Bockes total verwuchert war und die Wucherungen sich bereits über die Augen ausbreiteten. Nach zwei Tagen Ansitzen erlegte Plach das Tier. Was er dann am Kadaver sah, erstaunte auch den routiniertesten Waidmann.

Die Wucherung hätte das Tier getötet

Zu einer solchen Abnormität des Geweihwuchses kommt es durch das Fehlen der Testosteronausschüttung, erklärte Edwald Plach, der dem ehemaligen Jagdberater Eduard Bäumel sofort den Perückenbock zeigte. Eduard Bäumel erläuterte dazu weiter, dass sich beim erwachsenen Rehbock der Verlust oder die krankhafte Zerstörung der Brunstkugeln (Hoden) auf die Bildung einer Perücke auswirke. Ursache sei der Ausfall des Sexualhormons. Das Perückengehörn sei nichts anderes, als ein Gehörn, das unbegrenzt weiterwachse und zum – oft qualvollen – Verenden des Rehbocks führe. Gelegentlich hänge der Bast, wie im Fall des Friedersrieder Bocks, in häutiger Masse gefüllt herunter– in sogenannten Locken. Sobald sich Fliegenmaden hier einnisten führt dies zu einem qualvollen Tod. Ein Abschuss, auch in der Schonzeit sei absolut angezeigt und erspare dem Tier einen langen Leidensweg, so der ehemalige Jagdberater Eduard Bäumel. Da der Abschuss während der Schonzeit geschah, hat Edwald Plach am Montag auch die Untere Jagdbehörde am Landratsamt von dieser jagdlichen Rarität, ein rund vierjährigen Bock der Mittelklasse, verständigt.

Tier fiel Jäger schon länger auf

Der Bock hatte keine ersichtlichen Hoden, wie Plach nach dem Aufbruch des Rehs feststellte. Ob dies durch eine Verletzung bei einem Sprung über einen Stacheldrahtzaun zustande gekommen ist, kann man nicht sagen. Möglich sei auch, dass sich die Böcke gegenseitig diese Verletzung zufügen. Auch eine Verkümmerung könnte in Frage kommen, meint Plach. Jäger Ludwig Hofstetter habe den Bock möglicherweise bereits vor zwei Jahren gesehen; damals ging man aber noch davon aus, dass es sich bei der Perücke um nichtabgestreiften Bast handelte.

Plach, seit 51 Jahren Pächter der Friedersrieder Jagd, sagte: „Ich habe noch nie gehört, dass im Bereich der Friedersrieder Jagd jemals ein Perückenbock geschossen worden wäre.“ Der Bock war nicht abgemagert und wog aufgebrochen 20 Kilo. Es konnte keine Verletzung festgestellt werden. Zu sehen ist der Perückenbock am Freitag bei der Hegeschau in der Stadthalle Roding. (rjm)

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