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FURTH IM WALD.

Nach genau 100 Jahren: Further Traditionsbrauerei Hofer ist pleite

Die Further Traditionsbrauerei Hofer – sie nimmt in dem Anwesen an der Waldschmidtstraße den rechts sichtbaren, rückwärtigen Teil ein – stellt den Betrieb aufgrund von Insolvenz ein.

Von Fred Wutz

Der Brief an die Kundschaft –geschrieben auf Geschäftspapier von „Hofer Bräu“ mit der Zusatzzeile „SCHLOSSBRAUEREI NAABECK“ – trifft eine klare Aussage: Für die Brauerei Hofer ist ein Insolvenzverfahren in Gang gesetzt worden, und wie lange die Produktion bei Hofer noch aufrechterhalten wird, ist sehr fraglich. Damit ist das Aus für das Traditionsunternehmen belegt.

„Ja, die Brauerei existiert nicht mehr, wenn man so will.“ – Diplom-Braumeister Hans Hofer (68) gibt gegenüber unserer Zeitung am Mittwoch unumwunden zu, dass „eigentlich schon per 1. Juni Schluss ist“. Die Einzelfirma „Hofer Bier und Getränke“ (sie läuft auf den Namen von Christl Hofer und ist Nachfolge-Unternehmen der „Hofer-Biere“), so Hans Hofers Darstellung, „hört auf“.

Das Aus hat mehrere Ursachen

Dass es nun zum Aus für die Further Traditionsbrauerei kam, hat laut Hans Hofer mehrere Ursachen. Seit Jahren seien die Umsätze des Unternehmen rückläufig gewesen, der einst große Jahresausstoß von rund 10000 Hektoliter sei zuletzt auf 3000Hektoliter zurückgegangen. Der Grund dafür war wiederum der ebenfalls sinkende Bier-Konsum in den Gaststätten, die von der Brauerei beliefert worden seien. „Wir haben die Kosten des Bauereibetriebes nicht mehr erwirtschaften können“, stellt Hans Hofer fest und meint: „Ich habe auch keinen Nachfolger, und ich habe mich eigentlich zu lange dagegen gewehrt, dass es nicht mehr geht.“ Erhebliches privates Vermögen, auch Besitz seiner Frau, habe er in das Unternehmen gesteckt, um die Brauerei weiter zu erhalten und zu betreiben. Das habe aber letztlich nichts geholfen.

Naabecker übernimmt Marke

Hofer-Bier wird künftig im Lohnbrauverfahren durch die Schlossbrauerei Naabeck hergestellt, mit der Hofer schon seit vielen Jahren in geschäftlicher Verbindung steht. Beispielsweise stellt das Naabecker Unternehmen für Hofer dessen Weißbier und die Drei-Wappen-Weiße her; und nun übernimmt es also „die Marke Hofer“.

Das Festhalten an der Tradition und der Wille das Familienunternehmen weiter zu führen, waren Beweggründe für Hans Hofers Handeln, wie er sagt. Sie hätten schließlich aber auch das Aus herbeigeführt. Tradition ist ein Begriff, der im Zusammenhang mit der Brauerei Hofer eine maßgebliche Rolle spielt. Der Großvater Josef Hofer meldete vor 100 Jahren sein Unternehmen an. Die Familie war von der Herrenstraße in das eben erworbene Anwesen auf der Pastritz-Insel gezogen. 75 Hektoliter Bier durfte er pro Jahr herstellen, konnte schon bald einen soliden Kundenstamm aufbauen. Das Further Gasthaus „Stangerl am Platzl“ war mit der erste Abnehmer und führt Hofer-Bier noch heute. Seit knapp 75 Jahren ist auch das Großaigner Gasthaus Hastreiter Abnehmer, Hofer-Bier wird in die gesamte Region geliefert, von Thürnstein bis Tiefenbach, in einem Fall sogar regelmäßig bis in die Hallertau. Nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ engagierte sich Hans Hofer in den neuen Bundesländern (Meißen, Lausitz) und in Westböhmen (Domažlice/Taus, Horšovsky Tyn/Bischofteinitz, Pilsen) – bis dann von tschechischer Seite angestrebte Verfahren und Einfuhrverbote gegen den Begriff „Pils“ dies alles beendeten.

Gebäude noch in Familienbesitz

Das Familienunternehmen Hofer war nach seiner Gründung gewachsen und stabil geworden. 1927 hatte Josef Hofer seine eigene Brauerei gebaut (zuvor hatte er im Kommunbrauhaus Bier hergestellt), 1952/53 war ein stattliches Gebäude für die Brauerei-Gaststätte und einen kleinen Hotelbetrieb entstanden. Diese Immobilie an der Waldschmidtstraße – sie erstreckt sich von der Pfarrkirche entlang der Pastritz bis in die Nähe des vormaligen Postamtes – ist laut Hans Hofer nach wie vor sein Eigentum. Ein rund 30000 Quadratmeter großes Grundstück in Stausee-Nähe, auf dessen Vermarktung er große Hoffnungen gesetzt habe, gehöre ihm aber nicht mehr: „Das wurde bei einem früheren Verfahren herausgelöst. Das wäre heute die Rettung…“

„Anerkennung für die Qualität“

Die Frage, wie es generell weitergeht, beantwortete Hans Hofer so: „Die Gaststätte und der Hotelbetrieb laufen weiter, so weit das finanziell zu rechtfertigen ist. Die Marke Hofer gibt es auch weiter. Das ist wenigstens eine Art Anerkennung für die Qualität, die geboten wurde.“

Es mutet wie Ironie des Schicksals an, was mit dem Vorgang verbunden ist: Am 10. Mai 1909 gründete Josef Hofer seine (Kommun)Brauerei auf der Pastritz-Insel – fast auf den Tag genau 100 Jahre vor deren Ende.

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