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Wo die Chamer ihre Schätze lagern

Geheime Orte: Wir besuchen Tresor und Schließfächer der Sparkasse Cham. Ein Ausflug ins Reich von Sicherheit und Diskretion.
Von Daniel Haslsteiner

Cham.Für unseren heutigen geheimen Ort bin ich eindeutig zu groß. Und dass Sie, lieber Leser, auch mit dabei sind, macht die Sache nicht einfacher. Von links nach rechts, von vorne bis hinten – kaum mehr Platz als auf einem DIN A4-Papier. Und vom Boden bis zur Decke sind es gerade mal 7,4 Zentimeter –im Bestfall 40 Zentimeter. Jetzt also bloß den Bauch eingezogen lassen. Und dennoch – einen geheimeren Ort kann ich Ihnen im Landkreis praktisch nicht zeigen: die Schließfächer der Sparkassen-Hauptstelle in Cham.

Schließfachraum? So geheim ist der doch nicht, da kommt doch jeder rein, der ein Schließfach mietet – und das kann praktisch jeder. Nein, lieber Leser, nicht der holzgetäfelte Schließfachraum im Untergeschoss der Bank ist das Geheimnis, sondern die 684 Schließfächer hinter den kleinen Panzertürchen und die vier mannshohen Asservatenkammern darin. Denn was hier von den Kunden der Sparkasse eingelagert wird, ist so geheim, dass es nicht mal das Kreditinstitut weiß. Für jedes Schließfach gibt es zwei Schlüssel – und die bekommt der Kunde. Bestückt der Kunde sein Fach oder holt er etwas heraus, ist er alleine in dem, mit einer dicken Panzertür geschützten Raum. Maximale Diskretion.

Für einen Rembrandt wäre Platz

Christian Stoiber von der Sparkasse zeigt uns die Box für ein Schließfach.
Christian Stoiber von der Sparkasse zeigt uns die Box für ein Schließfach. Fotos: Tschannerl

Aber was lagert in den blechernen Boxen? Genaueres kann Marktbereichsdirektor Martin Wanninger uns –den Grund kennen wir ja jetzt – nicht sagen. Nur soviel: wichtige Papiere wie Urkunden, aber auch Wertsachen. Etwas genauer würde es uns natürlich schon interessieren. Also versuchen wir es mit einem Schuss ins Blaue: Wenn wir also unser Schließfach mit einem gigantischen Goldbarren ausfüllen würden, ginge das? Wanninger, so seriös-nüchtern, wie wir das von einem Sparkassen-Mann erwarten: Zumindest vom Gewicht her ginge das.

Geheime Orte

  • Die Serie

    In unserer Serie besuchen wir geheime Orte rund um Cham. Wir nehmen Sie, unsere Leser, mit auf eine Entdeckungstour zu verstecken Winkeln, unterirdischen Gemäuern und geheimnisvollen Räumen in der Gegend.

  • Wir wollen Ihnen in dieser Serie nicht nur trocken Fakten vermitteln, sondern Sie auf einen persönlichen Ausflug mitnehmen.

Marktbereichsdirektor Martin Wanninger (l.) verrät Reporter Daniel Haslsteiner die Geheimnisse des Schließfachraums – zumindest die, die dieser kennen darf.
Marktbereichsdirektor Martin Wanninger (l.) verrät Reporter Daniel Haslsteiner die Geheimnisse des Schließfachraums – zumindest die, die dieser kennen darf. Fotos: Tschannerl

Und falls Sie, lieber Leser, zu Hause im Keller einen Rembrandt stehen haben, den Sie lieber sicherer lagern möchten: Auch ein Gemälde könnte in den Asservatenkammern des Schließfachraums gelagert werden. Zumindest theoretisch, denn die sind zurzeit alle vermietet. Anders als die Schließfächer. Hier wäre noch ein gutes Viertel frei. Und wie sieht es mit der Versicherung aus? Für bis zu 11 000 Euro bürgt die Sparkasse, für höhere Summen gibt es private Versicherungen. Auch vor Einbrechern bräuchten Kunden keine Angst haben. Es gibt nur einen Eingang, und der ist nachts mit einer tonnenschweren, etwa einen halben Meter dicken Stahltüre gesichert. Und würden doch mal Langfinger reinkommen? Wanninger gibt eine lange, alle Sicherheitsvorschriften der Bank-Versicherung berücksichtigende Antwort. Die Kurzfassung: Dann könnten die Eindringlinge sich an den Schließfachtürchen abbohren, bis sie schwarz sind. Hier kommen sie nicht durch.

So sehen Schließfach-Schlüssel aus. Nur mit ihnen kann es geöffnet werden.
So sehen Schließfach-Schlüssel aus. Nur mit ihnen kann es geöffnet werden. Fotos: Tschannerl

Aber was, wenn ein Kunde stirbt und die Erben keinen Schlüssel haben? Oder ein Steuerhinterzieher hier ein paar ganz private Geheimnisse vor dem Finanzamt verstecken würde? Dann würde das Schließfach, sobald ein richterlicher Beschluss vorliegt, von einem Spezialunternehmen geöffnet. Und verstecken hier viele Steuerhinterzieher etwas? Klare Ansage darauf von Wanninger: „Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass alles legal ist, was unsere Kunden hier lagern.“

Maximale Sicherheit im Tresorraum

Hinter dieser Panzertüre sind die Schließfächer der Kunden. Hier kommt niemand durch.
Hinter dieser Panzertüre sind die Schließfächer der Kunden. Hier kommt niemand durch. Fotos: Tschannerl

Aber nun, lieber Leser, lassen wir die 684 Schließfächer hinter uns und gehen an einen Ort, der fast noch geheimer ist. Zumindest ist er so geheim, dass wir davon weder Fotos noch ein Video machen dürfen. Von der Geschäftsstelle geht es hinab in den Keller. „Hier und im Kassenbereich sind die einzigen Orte, an denen mit echtem Geld gearbeitet wird“, erklärt Wanninger. Dorthin dürfen nicht mal alle Mitarbeiter der Sparkasse. Nur die Kassiere – und eben wir, ausnahmsweise. Der Tresor selbst ist dann – verdorben durch die Vorstellungen aus zahllosen Kinofilmen – fast ernüchternd. Eigentlich könnte es ein normaler Büroraum sein – ja, wäre da nicht das große Metallgitter vor dem Münzbereich und die Panzertür vor dem Raum für Geldscheine.

In diesen Boxen bekommt die Sparkasse Cham ihr Geld von der Bundesbank geliefert.
In diesen Boxen bekommt die Sparkasse Cham ihr Geld von der Bundesbank geliefert. Fotos: Tschannerl

Wie viel Geld hier gelagert wird, das kann uns Marktbereichsdirektor Wanninger nicht genau sagen. Das wechsle von Tag zu Tag. Nur soviel: „Allzu große Summen haben wir hier nicht. Schließlich wollen wir ja nicht allzu attraktiv für Bankräuber sein.“ Geld selbst ist kaum zu sehen. Das lagert in abgeschlossenen Schränken. Und wird der gelagerte Betrag zu groß, dann kommt der Geldtransporter. Sollten Sie, lieber Leser, auf die Idee kommen, mit einem Handgriff ein paar Scheine einzuschieben – vergessen Sie’s. Maximale Sicherheitsstufe. Wie wir sonst zu Reichtümern kommen sollen? Dieses Geheimnis müssen wir dem Leben an anderer Stelle entlocken – vielleicht bei unserem nächsten Ausflug. Bis dann.

Lesen Sie hier den ersten Teil der Serie „Geheime Orte“: Ein Abenteuer-Ausflug in die Waffenbrunner Schrazellöcher

Lesen Sie hier den zweiten Teil der Serie „Geheime Orte“: Ein Abstieg ins Reich der Genüsse in den alten Braukellern Bad Kötztings

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