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Verkehr

Kneitinger Brücke als Tram-Trasse?

Eine Untersuchung für eine Regensburger Stadtbahn bringt langfristig die umstrittene Donauquerung wieder ins Gespräch.
Von Christof Seidl, MZ

Eine Straßenbahn (im Bild bei Straßburg) könnte vom Regensburger Stadtwesten über die Donau bis zu einer P+R-Fläche bei Kneiting führen. Ihre Kapazität: bis zu 300 Fahrgäste.
Eine Straßenbahn (im Bild bei Straßburg) könnte vom Regensburger Stadtwesten über die Donau bis zu einer P+R-Fläche bei Kneiting führen. Ihre Kapazität: bis zu 300 Fahrgäste. Foto: dpa

Regensburg.Die Situation ist oft nervtötend. Rund 70000 Menschen pendeln jeden Tag nach Regensburg, 50 Prozent des Gesamtverkehrsaufkommens in der Stadt fällt in die Kategorie motorisierter Individualverkehr. Die Folgen sind Dauerstau auf den Einfallrouten und Parkplatznot. Und sehr viele von denen, die Tag für Tag Zeit im Stau verlieren, sind Landkreisbürger.

Die Stadtpolitik sucht nach Auswegen aus dem überlasteten Straßensystem. Ende 2015 gab sie eine Studie zur Einführung eines höherwertigen ÖPNV-Systems in Auftrag. Konkret geht es um eine Straßenbahn oder sehr lange Schnellbusse, wie es im Zwischenbericht der Studie heißt, der jetzt vorliegt. Insgesamt drei Trassen hat das Wiener Planungsbüro Komobile erarbeitet, auf denen Schnellbusse oder Tram verkehren sollen – soweit irgend möglich auf eigenen Trassen, getrennt vom restlichen Verkehr.

Neutraubling und Kneiting als Ziel

 Die neue Hybrid-Stadtbahn «Citylink» kann sowohl elektrisch auf Gleisen der Straßenbahn als auch mit Diesel auf Eisenbahngleisen fahren.
Die neue Hybrid-Stadtbahn «Citylink» kann sowohl elektrisch auf Gleisen der Straßenbahn als auch mit Diesel auf Eisenbahngleisen fahren. Foto: dpa

Der Landkreis ist an diesen Überlegungen bisher nur indirekt über seine Gesellschaft für Nahverkehr (GfN) einbezogen. Sie war an der Ausarbeitung des Konzepts beteiligt. Dabei ist der Landkreis direkt betroffen. „Multimodale Verknüpfungspunkte“ sollen für die Anbindung des regionalen Bahn- und Busverkehrs sorgen. Und eine zusätzliche Ausbaustufe würde Ziele im Landkreis ansteuern: die Stadt Neutraubling sowie den Ort Kneiting, neben dem ein Park-and-Ride-Platz entstehen würde. Das Pikante an der Lösung: Von Kneiting würde die Route auf einer ÖPNV-Brücke, die nur für die Stadtbahn, Radfahrer und Fußgänger offenstünde, über die Donau in den Stadtwesten führen und dort über die Killermannstraße und den Rennweg in Richtung Stadtzentrum. Ein Brücke an dieser Stelle hatte schon das Verkehrsgutachten für den Großraum Regensburg im Jahr 2005 gefordert – allerdings für den Gesamtverkehr. Der Landkreis hatte sie über Jahre hinweg gefordert, die Stadt hatte sie stets abgelehnt. Der Planungsausschuss der Stadt Regensburg hatte den Zwischenbericht zu der Studie Anfang Februar behandelt (unser Medienhaus berichtete darüber).

Im Kreistag brachte ein Antrag der CSU-Fraktion das Thema am Montag auf die Tagesordnung. Sie wollte wissen, ob die Interessen des Landkreises bei der Stadtbahn-Planung berücksichtigt sind. GfN-Geschäftsführer Josef Weigl erklärte, Kernpunkt der Studie sei die Stadt selbst. Die erste Ausbaustufe beziehe sich rein auf das Stadtgebiet. Nur wenn die Untersuchung ergibt, dass dieser Teil förderfähig ist, komme eine Realisierung überhaupt infrage. „Wenn dieses System kommt“, sagte Weigl, „wird nichts so bleiben, wie es ist“.

Eine Realisierung würde aber geraume Zeit in Anspruch nehmen. Die Studie geht von Jahr 2030 für das zentrale System aus, eine Weiterführung in den Landkreis wäre erst in den Jahren 2035 bis 2040 an der Reihe. Keine Kritik gab es im Stadtrat laut Weigl an der Idee einer Donaubrücke bei Kneiting. „Das ist so durch den Planungsausschuss gegangen.“ Dem ÖPNV-Experten wäre die Schnellbus-Variante lieber, weil dann eventuell auch einige regionale Linien die Trasse der Schnellbusse nutzen könnten.

In der Diskussion sprach sich CSU-Fraktionssprecher Peter Aumer dafür aus, sich frühzeitig in die Planungen einzuklinken, schon um bei den geplanten Verknüpfungspunkten mitreden zu können. Wichtig wäre es außerdem, solche schnellen Trassen bis in den Landkreis weiterzuführen.

Schienenverkehr einbeziehen

Doppelgelenkbusse können bis zu 150 Fahrgäste transportieren.
Doppelgelenkbusse können bis zu 150 Fahrgäste transportieren. Foto: dpa

Siegfried Böhringer (SPD) unterstrich, dass man auch den Schienenverkehr miteinbeziehen müsse. Nachdem die Realisierung noch lange dauere, könnte die dann vermutlich elektrifizierte Bahnstrecke Regensburg-Weiden miteinbezogen werden. Denn dann wären weitere Haltepunkte in Regenstauf und Zeitlarn vorstellbar.

Fahrzeiten und Kosten

  • Fahrzeiten:

    Die Stadtbahn würde er im Fünf-Minuten-Takt verkehren. Als Tram könnten die Regensburger damit in 24 Minuten von Wutzlhofen ans Uniklinikum fahren, als Schnellbus in 25 Minuten. Heute dauert das 39 Minuten.

  • Umsteiger:

    Momentan macht der ÖPNV-Anteil in Regensburg 13 Prozent des Gesamtverkehrs aus. Eine Stadtbahn könnte diesen Anteil auf bis zu 30 Prozent anheben, sagen Experten.

  • Kosten:

    Für ein „Maximalnetz“ mit drei Linien, 25 Fahrzeugen, den Umbau von Straßenzügen und einen Betriebshof haben die Gutachter Gesamtkosten von bis zu 456 Millionen Euro errechnet. Ein Straßenbahnsystem wäre ein ganzes Stück teurer als ein Schnellbussystem.

  • Förderung:

    In welchem Umfang das Projekt von Land und Bund gefördert werden könnte, ist noch unbekannt.

Dr. Edwin Schicker (Grüne) war der Zeitraum bis zu einer Verlängerung in den Landkreis viel zu lange. „Wir müssen da eher ran.“ Dr. Rudolf Ebneth (CSU) meinte, er habe nicht den Eindruck, dass der Landkreis bei den Planungen „voll dabei“ ist. „Wir sitzen am Katzentisch.“ Landrätin Tanja Schweiger (FW) entgegnete, es handle sich um eine städtische Studie. Die GfN sitze sehr wohl am Tisch. Maria Eichhorn (CSU) schlug vor, das Thema im Wirtschaftsausschuss ausführlich zu behandeln. Dem stimmte der Kreistag zu.

Christine Schimpfermann ist Planungsreferentin bei der Stadt Regensburg.
Christine Schimpfermann ist Planungsreferentin bei der Stadt Regensburg. Foto: MZ

Christine Schimpfermann, Planungsreferentin bei der Stadt Regensburg, betonte im Gespräch mit unserem Medienhaus, es habe schon vor einigen Jahren eine Studie mit Stadtbahnlinien bis in den Landkreis gegeben, dieses Konzept sei aber wirtschaftlich nicht darstellbar gewesen. Der Landkreis sei durch die Verknüpfungspunkte zum regionalen Bus- und Schienenverkehr einbezogen. Außerdem gebe es parallel zur ÖPNV- eine Schienenverkehrsstudie, die auch den Regensburger Stern miteinbeziehe. Schimpfermann: „Das muss alles ineinandergreifen.“ Die vordringliche Aufgabe sei derzeit, die Kosten zu erarbeiten, und sich für ein System – Bus oder Tram – zu entscheiden.

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