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Ehrung

Linke Kritik an Götz empört Politiker

Der Regensburger Unternehmer hat die Runtinger-Medaille nicht verdient, sagen Freihoffer und Spieß – und fangen sich selbst eine Breitseite ein.
Von Marianne Sperb, MZ

Dr. Karlheinz Götz (rechts) erhält am Samstag für seine Verdienste um den Wirtschaftsstandort Regensburg die Matthäus-Runtinger-Medaille. Der Unternehmer hat die Leitung der Holding inzwischen an seinen Sohn Alexander Götz (links) übergehen. Fotos: altrofoto.de/MZ-Archiv

Regensburg.„Karlheinz Götz ist kein vorbildlicher Arbeitgeber. Das ist in Regensburg sehr wohl bekannt.“ Knallhart formulieren Irmgard Freihoffer und Richard Spieß ihren Protest gegen die Auszeichnung, die der Unternehmer am Samstag im Reichssaal erhält. „Dass gerade er mit der Runtinger-Medaille ausgezeichnet wird“, so die Stadträte der Linken, stößt ihnen sauer auf. Dafür ernteten sie am Donnerstag Verwunderung, Entsetzen und Widerspruch. Alle zehn Politiker, die die MZ fragte, stellten sich hinter die Ehrung für Götz – und kritisierten den Umgang der Linken mit Demokratie.

Freihoffer und Spieß zählen eine lange Liste Kritikpunkte auf: Das Unternehmen habe einen Betriebsrat bisher verhindert, sei nicht der Gebäudereiniger-Innung beigetreten, zahle nur den branchenspezifischen Mindestlohn und drückte den Lohn auch noch durch eine eigene Leiharbeitsfirma. Götz als vorbildlich hinzustellen, sei „blanker Hohn“.

„Ein Vorzeige-Unternehmer“

Die Linke greift tief in die Vergangenheit – vor rund 30 Jahren untersuchte die Justiz Vorwürfe über Schwarzarbeit und nicht gezahlte Sozialbeiträge, die Verfahren wurden eingestellt – und verweist auf zahlreiche arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen. „Ist das auszeichnungswürdig?“

Gewerkschaftssekretär Reinhard Peter stützt die Haltung der Linken. Götz halte sich nicht an Tarife, was in der Branche allerdings üblich sei. Und: Die Stadträte hätten sich wohl nicht genug mit der Sache befasst und der Ehrung deshalb zugestimmt.

Dr. Karlheinz Götz hat zahlreiche Würdigungen erhalten. Die Liste seiner Auszeichnungen und Ehrenämter füllt locker eine halbe MZ-Seite. Den Vorschlag, ihm die Medaille zu verleihen, hatten die Fraktionschefs intern vorbesprochen; später beschloss der Stadtrat Götz’ Ehrung – nach MZ-Informationen mit 90 Prozent Zustimmung. Götz hatte, so MZ-Recherchen, die SPD vorgeschlagen.

„Eindeutig: Dr. Götz ist ein Vorzeige-Unternehmer, der die Auszeichnung absolut verdient hat“, sagt Bürgermeister Joachim Wolbergs (SPD). „Er ist eine richtig großer, prima Unternehmer, der viel für die Stadt und die Region geleistet hat.“ Für die Kritik der Linken hat er kein Verständnis. „Die SPD-Fraktion steht voll zur Ehrung von Dr. Karl Götz“, sagt Norbert Hartl. „Er hat die Firma zu dem aufgebaut, was sie heute ist. Tausende Menschen haben durch die unternehmerische Leistung von Dr. Götz einen guten Arbeitsplatz. Im Reinigungsbereich zahlt Dr. Götz höhere Löhne als den gesetzlichen Mindestlohn. Bei städtischen Projekten, die die Firma Götz betreut, spielt auch die Qualität eine wesentliche Rolle. Dr. Götz ist ein würdiger Träger der Matthäus Runtinger Medaille.“ Zum Linke-Protest sagt Hartl: „Natürlich kann im Stadtrat gegen eine Ehrung gestimmt werden, das ist legitim.“ Stillos sei es aber, eine mit großer Mehrheit beschlossene Ehrung nicht zu akzeptieren und „mit haltlosen Argumenten nachzutreten“.

Christian Schlegl (CSU) sagt: „Ohne jeden Zweifel hat Dr. Götz ... vielen Menschen zu Lohn und Brot verholfen. Er zahlt den vorgeschriebenen Mindestlohn. Die Linke dagegen schafft nur Sozialneid und betreibt haltlose Unternehmerschelte. Dadurch entstehen aber keine Arbeitsplätze.“ Oberbürgermeister Hans Schaidinger zeigt sich über Freihoffer und Spieß verwundert. Die beiden Stadträte müssten sich wirklich fragen lassen, ob es der Sache und der Stadt diene, Auszeichnungsangelegenheiten vorab öffentlich zu kommentieren.

Horst Meierhofer (FDP) sagt: „Natürlich bleibt jedem eine Bewertung selbst überlassen, aber erstens finde ich es befremdlich, wenn aus nichtöffentlichen Sitzungen über das Abstimmverhalten anderer geplaudert wird, und zweitens hat sich Dr. Götz jahrzehntelang an unterschiedlichen Stellen auch für die Allgemeinheit und die Stadt eingebracht, was aus meiner Sicht die Ehrung absolut rechtfertigt.“

Gute Arbeitsbedingungen

Jürgen Mistol (Grüne) meint: „Ob es sich bei der Fa. Götz um ein Vorzeigeunternehmen handelt, möchte ich dahingestellt sein lassen; das geht meines Erachtens an der Sache vorbei. Für mich steht im Vordergrund der Ehrung die Person Karlheinz Götz, die sich in vielfältiger Art um die Stadtgesellschaft verdient gemacht hat.“

„Ich stehe zur Ehrung von Dr. Götz. Er ist unstreitig eine bedeutende Unternehmerpersönlichkeit“, sagte Ludwig Artinger (Freie Wähler). Der Respekt vor einer demokratischen Mehrheitsentscheidung gebiete es, den Beschluss zu akzeptieren, auch um nicht die Ehrung an sich zu beschädigen.

Alexander Götz, der die Holding inzwischen führt, wies die Vorwürfe Punkt für Punkt zurück. „Wir zahlen Tarif.“ In der Holding, in der die Verwaltung des Unternehmens konzentriert ist, sei natürlich kein Konzern-Betriebsrat installiert; das gebe die Struktur der Gesellschaft nicht her. Mitarbeiter in Tochterunternehmen seien aber sehr wohl durch Betriebsräte vertreten.

Für Leiharbeiter, so Götz, gilt der Grundsatz „equal pay“, das heißt: Leiharbeiter erhalten den gleichen Stundenlohn wie ihre Kollegen. Götz regle in seinen Arbeitsverträgen, dass niemand ohne Rücksprache mit Vorgesetzten länger als vereinbart Dienst tun darf. Das Unternehmen habe sich 2009 als eines der ersten in der Branche sein Arbeitssicherheitskonzept zertifizieren lassen. Bei der Reinigung etwa würden Flachpressen eingesetzt, damit die Kräfte beim Wischen nicht mit Schmutzwasser in Berührung kommen und sich nicht bücken müssen. „Das ist ein finanzieller Aufwand; aber wir sehen das als Win-win-Situation, für das Unternehmen und unsere Leute.“ Das zertifizierte Umwelt-Management bedeute zum Beispiel, dass Mitarbeiter mit nicht aggressiven Mitteln reinigen. „Ich bilde mir ein, dass wir alles Mögliche tun, damit unsere Leute ergonomisch, sicher und gesund arbeiten können.“

Götz grenzte sich ab von Schwarzen Schafen der Branche, die eher bei den kleinen als den großen Firmen zu finden seien. In der Hotel-Reinigung zum Beispiel sei es üblich, pauschal nach Zimmer zu bezahlen. „Wir zahlen Stundenlohn.“ Wenn ein Zimmer stark verschmutzt ist oder ein Mitarbeiter älter ist oder ein langsameres Tempo hat, gehe der höhere Zeitaufwand nicht seinen Lasten.

Selbstverständlich müsse sich das Unternehmen immer wieder in Arbeitsgerichtsprozessen zur Wehr setzen – aber die Zahl der Verhandlungen sei im Branchenvergleich eher niedrig, Götz: „Es soll mir jemand ein Unternehmen zeigen, das 15 000 Mitarbeiter beschäftigt und keine arbeitsrechtlichen Prozesse führen muss.“

Als Beispiel für Mitarbeiter-Zufriedenheit nannte Götz Verhandlungen mit einem Regensburger Konzern: Als das Unternehmen 2013 eine neue Reinigungsfirma beauftragte, blieben – mit einer einzigen Ausnahme – alle Mitarbeiter lieber bei Götz als den Arbeitgeber zu wechseln.

Dr. Karlheinz Götz kommentierte die Kritik der Linken sparsam: „Neid ist wohl die objektivste Form der Anerkennung“, sagte er, und: „Ich war total überrascht und überwältigt von der Mitteilung über die bevorstehende Ehrung. Und ich freue mich sehr über die Auszeichnung mit der Runtinger-Medaille.“

Die Begründung für die Ehrung

Am Stadtfreiheitstag verleiht Regensburg jedes Jahr im November die städtischen Auszeichnungen. Die Matthäus-Runtinger-Medaille honoriert besondere Verdienste um den Wirtschaftsstandort Regensburg. 2013 geht die Auszeichnung an Wolfgang Dehen, Vorstandsvorsitzender der Osram Licht AG, und an Dr. Karlheinz Götz.

In der Begründung heißt es: „Dr. Karlheinz Götz hat ein bedeutendes und international tätiges Unternehmen auf- und ausgebaut. Nach dem Pädagogikstudium übernahm er 1971 das elterliche

Reinigungsunternehmen. 1977 legte er die Meisterprüfung im Gebäudereiniger-Handwerk ab und baute in den Folgejahren den Betrieb, in dem er heute Mitglied des Aufsichtsrats ist, zur Götz-Management-Holding AG aus. Das renommierte Unternehmen hat sich auf Dienstleistungen in den Bereichen Reinigung und Hygiene, Industriewartung, Schadstoffentsorgung, Umweltpflege, Sicherheitsdienst, Geld- und Werttransporte, Personalleasing und Catering spezialisiert. Die Götz-Gruppe zählt mittlerweile weltweit 15 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dr. Karlheinz Götz schuf in den letzten Jahren zahlreiche neue Arbeitsplätze in der Region, in Bayern und darüber hinaus. Er hat weit über die Region hinaus Zeichen gesetzt hat und stets die Belange des Wirtschaftsraumes Regensburg nachhaltig gefördert.“

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