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Bei Siemens in Amberg ist schon Zukunft

Hoher Besuch im Elektronikwerk: Am Mittwochabend kamen Tschechiens Premier Sobotka und Bayerns Ministerpräsident Seehofer.
Von Christine Hochreiter, MZ

  • Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und der tschechische Premier Bohuslav Sobotka besuchten am Mittwochabend gemeinsam mit Siemens-Chef Joe Kaser das Elektronikwerk in Amberg. Foto: Schönberger
  • Ein Selfie mit dem Chef: Amberger Siemens-Beschäftigte und Joe Kaeser Foto: Schönberger
  • Freuten sich über den hohen Besuch: Amberger Siemensianer Foto: Schönberger
  • Seehofer und Sobotka im Gespräch mit Siemens-Mitarbeitern Foto: Schönberger

Amberg.Wenn es um die Fabrik der Zukunft geht, ist das Siemens-Elektronikwerk in Amberg die Adresse schlechthin. In der Oberpfalz lassen sich wesentliche Elemente der „intelligenten“ Fabrik von morgen besichtigen. Das Siemens-Werk gilt als ein Vorreiter im digitalen industriellen Wettbewerb und ist einem Unternehmenssprecher zufolge „mit Abstand das modernste und effizienteste Werk“ des Technologiekonzerns.

Die Fabrik wurde schon mehrfach prämiert und immer wieder sind in Amberg hochrangige Besucher zu Gast: Im vergangenen Jahr Bundeskanzlerin Angela Merkel und jetzt der tschechische Premier Bohuslav Sobotka mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Dieser nannte den Besuch aus dem Nachbarland „ein Zeichen für gute, freundschaftliche Beziehungen“ zwischen dem Freistaat und Tschechien. Industrie 4.0 wie die Digitalisierung der Lebens- und Arbeitswelt insgesamt sei ein grenzüberschreitendes Zukunftsthema, so Seehofer.

Tschechien startet Initiative

Im vergangenen Jahr besuchte Kanzlerin Angela Merkel die Fabrik. Foto: Siemens
Im vergangenen Jahr besuchte Kanzlerin Angela Merkel die Fabrik. Foto: Siemens

Der Siemens-Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser sagte nach einem gemeinsamen Rundgang: „In unserer digitalen Fabrik in Amberg haben wir mit dem tschechischen Ministerpräsident Sobotka und dem bayerischen Ministerpräsident Seehofer über die Zukunft der Industrie gesprochen.“ Die Tschechische Republik und Deutschland seien starke Industrienationen. Industrie 4.0 sei für die Wirtschaft in beiden Ländern eine Chance.

Kaeser: „Je eher wir sie nutzen, desto besser.“ Siemens wolle Tschechien bei der Umsetzung dieses großen Zukunftsthemas unterstützen. Der Münchner Technologiekonzern beschäftigt in Tschechien derzeit mehr als 9000 Mitarbeiter.

Im vergangenen Jahr hatte Tschechien eine Initiative nach deutschem Vorbild gestartet. Deutschland und Tschechien sind wirtschaftlich eng verflochten und verfügen über eine ähnliche Industriestruktur.

Siemens will die Tschechische Republik bei der Umsetzung von Industrie 4.0 unterstützen.

Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser

Die beiden Länder stehen daher auch vor ähnlichen Herausforderungen. Die Deutsch-Tschechische Industrie- und Handelskammer (DTIHK) hatte „Industrie 4.0“ zu ihrem Jahresthema gemacht. Das Land will bei der vierten industriellen Revolution nicht den Anschluss verpassen. Tschechiens Wirtschaft ist stark auf die Industrie und insbesondere auf die Automobilbranche ausgerichtet. Bei der Vernetzung, Digitalisierung und Individualisierung der Produktionsprozesse will sie mit internationalen Wettbewerbern mithalten können. Deutschland als wichtigster Handelspartner soll dabei eine Schlüsselrolle spielen.

Was das Werk auszeichnet

Das Siemens-Elektronikwerk in Amberg wurde 1989 gegründet. Es produziert vor allem speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS) vom Typ Simatic in mehr als 1000 Varianten. Mit ihnen werden Maschinen und Anlagen gesteuert und Fertigungen automatisiert. Dadurch lassen sich Zeit und Kosten sparen und die Produktqualität erhöhen. Laut Siemens steuert Simatic Bordsysteme von Kreuzfahrtschiffen ebenso wie industrielle Fertigungsprozesse zum Beispiel in der Automobilindustrie oder Skiliftanlagen. Auch die Produktion in Amberg selbst wird von Simatic gesteuert. In der Fabrik arbeiten rund 1300 Mitarbeiter. Sie stellen Produkte für rund 60 000 Kunden in der ganzen Welt her.

Produkte steuern ihre Fertigung

Der Siemens-Standort Amberg aus der Vogelperspektive. Foto: Pieknik/Siemens
Der Siemens-Standort Amberg aus der Vogelperspektive. Foto: Pieknik/Siemens

„Fabriken werden in der Zukunft noch flexibler als heute individuelle Einzelprodukte fertigen und eine höhere Wirtschaftlichkeit erzielen: in kurzer Zeit, zu niedrigen Kosten, bei höchster Qualität. Wesentliche Elemente der digitalen Fabrik werden in Amberg bereits heute eingesetzt“, so Werkleiter Dr. Gunter Beitinger. Jährlich verlassen rund 15 Millionen Simatic-Produkte das Werk. Der Automatisierungsgrad der Wertschöpfungskette liegt aktuell bei 75 Prozent, wobei laut Siemens alle Arbeitsplätze – auch die nicht automatisierten – datentechnisch unterstützt werden.

In Amberg steuern die Produkte ihre Fertigung quasi selbst. Sie teilen den Maschinen über den Produktcode mit, welche Anforderungen sie haben und welche Produktionsschritte als nächstes nötig sind – laut Siemens ein erster Schritt auf dem Weg zur Industrie 4.0. Im Rahmen dieser industriellen Revolution sollen sich Fabriken weitgehend selbst steuern und optimieren.

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Kommentar

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