MyMz

Social Media

Was macht Instagram mit uns?

Längst erforschen Wissenschaftler, wie soziale Netzwerke die Psyche beeinflussen. Ihr Fazit: Es ist kompliziert.
Sophie Virneburg, MZ

Ob Twitter, Snapchat oder Instagram – inwieweit nehmen Social Media Einfluss auf unser Wohlbefinden? Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Ob Twitter, Snapchat oder Instagram – inwieweit nehmen Social Media Einfluss auf unser Wohlbefinden? Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Wie viele Likes habe ich auf mein Bild bekommen? Mein alter Klassenkamerad ist ja schon wieder im Urlaub! Und wie zur Hölle kann sich meine Nachbarin so teure Designertaschen leisten? Themen wie diese beschäftigen uns auf Social Media Plattformen wie Instagram oder Facebook. Heutzutage sind sie aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Vor allem Jugendliche nutzen die digitalen Medien zum Austausch, zur Vernetzung und zur Kommunikation. Dabei sind ca. 800 Millionen Menschen weltweit bei Instagram, um ihre Fotos mit anderen zu teilen, in Deutschland sind es 15 Millionen. Durchschnittlich verbringen die User mehr als 32 Minuten täglich mit der App.

Leidet die Psyche durch die Apps?

Das Problem: Die Studie #StatusOfMind ergab, dass Instagram im Vergleich zu anderen Apps das Wohlergehen und die Psyche am meisten beeinträchtigt. Sie wurde Anfang 2017 von der Royal Society for Public Health in Zusammenarbeit mit der Young Health Movement Organisation in Großbritannien erhoben. Ziel der Studie war es, sowohl positive wie auch negative Auswirkungen der beliebtesten Social-Media Plattformen auf die psychische Verfassung und das Wohlbefinden zu untersuchen. In der Folge sollen Maßnahmen seitens der Regierung und Social-Media-Unternehmen gefordern werden, um positive Faktoren der sozialen Medien zu unterstützen und vor schädlichen zu warnen.

Das drastische Fazit: ,,Social Media machen süchtiger als Zigaretten und Alkohol. Sie sind mittlerweile so im Leben der Jugendlichen verankert, dass es nicht mehr möglich ist, sie zu ignorieren, wenn man über die psychischen Probleme junger Menschen spricht‘‘, so die Vorstandsvorsitzende der Royal Society for Public Health, Shirley Cramber in der Studie.

Insgesamt wurden 1500 Jugendliche im Alter von 14 bis 24 Jahren befragt, die von einer Skala von -2 (sehr schlecht) bis +2 (sehr gut) bewerten sollen, inwieweit die Apps folgende Punkte erfüllen oder sich auf sie auswirken:

Das Verständnis für das Befinden und den Gesundheitszustand anderer aufzubringen und die Möglichkeit, sich darüber zu informieren, der Zugang zu medizinischem Rat, die emotionale Unterstützung der Familie, Angstgefühle (Sorgen, Nervosität, Unbehagen), Depression, Einsamkeit, Schlafqualität und Dauer, Selbstverwirklichung, Identitätsbildung, das eigene Körperbild, persönlicher Kontakt und Kommunikation zur Familie und Freunden, das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Community mit Gleichgesinnten, Mobbing und FoMo (Fear of Missing out), das Gefühl, ständig online und erreichbar sein zu müssen, aus Angst etwas zu verpassen.

Es juckt unter den Fingern, das Smartphne zu checken: Habe ich eine neue Nachricht bekommen? Foto: Britta Pedersen/dpa
Es juckt unter den Fingern, das Smartphne zu checken: Habe ich eine neue Nachricht bekommen? Foto: Britta Pedersen/dpa

Basierend auf diesen Bewertungskategorien schnitt Youtube mit Abstand am besten ab, gefolgt von Twitter, Facebook und Snapchat. Instagram belegt den letzten Platz.

Youtube wirkt sich laut der Studie neben seinem nachteiligen Einfluss auf das Schlafverhalten laut der Befragten insgesamt wohltuend auf die Psyche aus. Besonders gut bewerten die Jugendlichen, dass die Plattform Verständnis für das Befinden und den Gesundheitszustand anderer vermittelt. Die Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung und das Entstehen einer Community zählen ebenfalls zu den guten Seiten des Netzwerks.

Instagram schneidet in der Umfrage am schlechtesten ab. Die App beeinträchtigt laut Studie das Schlafverhalten seiner Nutzer. Sie geben an, weniger und unruhiger zu schlafen. Verstärkt wird dies durch das Gefühl, ständig etwas zu verpassen (Fear of Missing Out) und dauerhaft online und erreichbar sein zu müssen. Zudem gab die Hälfte der Jugendlichen an, Instagram löse bei ihnen Angstgefühle und Nervosität aus. Auch die Wahrnehmung des eigenen Körperbilds verändert sich. 70 Prozent der Befragten fühlen sich durch die Fotoplattform unwohler in ihrem Körper, insbesondere junge Frauen sind betroffen. ,,Sie müssen sich mit einer unrealen, mit Photoshop bearbeiteten Version der Realität vergleichen‘‘, so Matt Keracher, der Autor der Studie. Durch die Bearbeitung und Filter entwickeln die jungen Mädchen das Gefühl, ihr eigener Körper sei nicht gut genug. ,,Als Frau gibt einem die Gesellschaft vor, seinen Körper in einer gewissen Art und Weise kritisch zu betrachten und in Social Media gibt es Mädchen, die ihren Körper bearbeiten, um spezielle Körperteile hervorzuheben. Wir müssen uns nicht einreden, wir bräuchten die perfekte Sanduhrfigur, diese existiert nämlich nicht. Normale Mädchen sehen nicht aus wie Victoria Secret Models.‘‘, so Su, eine Teilnehmerin der Studie.

Der Realitätscheck der Fotos

Die Bloggerin ruft dazu auf, sich nicht ständig mit scheinbar perfekten Körpern auf Fotoplattformen zu vergleichen, denn diese Darstellungen ensprechen nicht der Realität.

Hey you! Stop scrolling for a second and think about how social media affects you. Have you ever felt "lost" in this world of perfection? Felt like you're not good enough, pretty enough, skinny or curvy enough? I know I have and I still do from time to time . All we see on the internet is perfect pictures, bodies, faces and lifes. Guess what? It's not all as perfect as it seems We "influencers" get to choose what we post and we usually pick our "best" pictures. We choose to show what seems to be socially acceptable and what fits with the beauty standards of todays society. Nothing wrong with that but sadly it gives the world an unrealistic idea of life and human bodies . My body isn't made out of stone, it doesn't look like the bodies you see in magazines all the time. Why? Cause life isn't a freaking magazine! I walk around, enjoy life and my body doesn't give a fuck about beauty standards. Sadly our minds do care . It's easy to compare yourself with insta perfection and feel bad. If I'd posted the pic on the right I'm sure I'd get comments like "goals". However, I posted the left one a while ago and people still message me making fun of the way my body looks in it Guess what, both pics are me, the same body, same vacation, both beautiful yet one of them fits beauty standards better than the other. Silly isn't it? ‍♀️ . Whoever you are, please know that you are good enough! You are beautiful and deserve the best in life! Don't let your body or appearance hold you back in life Go live your life and amazing things will happen! ! ✨ leave a "❤" in the comments if you think we should love our bodies cause we're beautiful no matter what! Wishing you a day with lots of love, laughter and happiness oh and tag a friend who needs to read this #togetherwearestronger #keepitreal #bodypositive #loveyourself

Ein Beitrag geteilt von Imre Çeçen imrececen.com (@imrececen) am

Die Medien-und Kommunikationswissenschaftlerin Carolin Krämer kam in ihrer Arbeit ,,Instagram und Körperbild‘‘ zu ähnlichen Ergebnissen. In ihrer Untersuchung geht es darum, wie die Nutzung von Fitnessinhalten auf der Plattform Instagram sich auf das Körperbild auswirkt. Von den 901 Studienteilnehmern waren 95% weiblich. Durch das Betrachten der Fitnessinhalte vergleichen sich die Nutzerinnen bewusst oder auch unterbewusst mit den Fotos und Inhalten der Fitnessblogger, was Druck auf die Nutzerinnen ausübt, genau diesen Lifestyle und Körper anzustreben. Je häufiger Fitnessinhalte auf Instagram genutzt werden, umso stärker wirkt dieser Effekt. Auf Studienteilnehmer, die ihr Selbstwertgefühl hoch einstuften, hatte die hohe Nutzung allerdings wenig bis keinen Effekt, Studienteilnehmer mit schwachem Selbstwertgefühl waren besonders anfällig. Inwieweit die Einflüsse auf das Körperbild auf andere Instagram-Themenbereiche übertragbar sind, ist allerdings nicht geklärt.

Social Media haben ihre Vor-und Nachteile

Hinsichtlich der Ergebnisse der britischen Studie fordert die Royal Society for Public Health, dass bearbeitete und veränderte Fotos als solche gekennzeichnet werden müssen. 68 Prozent der Studienteilnehmer befürworten die Einführung eines solchen Tools. Zudem soll ein Warnhinweis einführt werden, der bei zu langem Gebrauch von Social Media erscheint.

Im Guardian sagte der Präsident des Royal College für Psychologie zu den Ergebnissen der britischen Studie: ,, Mit Sicherheit spielen soziale Medien in gewisser Weise eine Rolle, wenn sich jemand unglücklich fühlt. Die Vor-und Nachteile sind aber ausgewogen. Es ist unsere Aufgabe, den Teenagern den richtigen Umgang mit den positiven wie auch negativen Aspekten beizubringen, um sie auf die immer mehr von Digitalisierung durchdrungene Welt vorzubereiten.‘‘

Dr. Jan-Hinrik Schmidt ist zuständig für digitale und interaktive Medien am Hans-Bredow Institut in Hamburg. Er äußert sich in Bezug auf soziale Medien ähnlich: Auf die Frage, ob sich Social Media eher positiv oder eher negativ auf das Wohlbefinden auswirken, gebe es keine richtige oder falsche Antwort, der jeweilige Benutzer habe es selbst in der Hand. Deshalb spiele die richtige Medienerziehung zum Beispiel in der Familie eine große Rolle.Es gehöre dazu, dass Jugendliche selbst lernen, was ihnen gut tut und was nicht – so auch auf sozialen Netzwerken. Um das zu ermöglichen müssen Eltern die richtigen Kompetenzen im Umgang mit den Social Media Apps beibringen und ihren Kindern ein Vorbild sein.

,,Social Media sind Chance und Risiko zugleich‘‘, so Dr. Schmidt. Durch die verdichtete, beschleunigte Kommunikation geschehe in den sozialen Netzwerken immer etwas Neues. Diese Informationsüberlastung wirke wie ein Sog, und könne auf Jugendliche – wie auch Erwachsene – den Druck ausüben, ständig online sein zu müssen. Durch diese Überlastung können sich Nutzer durchaus gestresst fühlen. Filter einzustellen, was man in seinen sozialen Netzwerken sehen und lesen möchte, könne die Informationsmenge teilweise eindämmen.

,,Social Media Plattformen sind beziehungs-und identitätsstiftende Technologien, die sich durchaus positiv auf die Jugendlichen auswirken.‘‘ In der Sozialisationsphase der Jugend stelle sich die Frage nach der Identität. Auf der Suche nach dem ,,Wer bin ich?‘‘ bieten Social Media Apps einen Raum, um sich selbst darzustellen und auszuprobieren. Durch Selbstdarstellung und Präsentation könnten die Jugendlichen anderen ihre Gedanken und Gefühle mitteilen. Inhalte von anderen Nutzern dienen dabei als Orientierung. Zudem ist das Feedback anderer User sehr wichtig für die Identitätsbildung. Durch Kommunikation und Vernetzung zu Freunden und Austausch über soziale Netzwerke drücken Jugendliche ihre Zugehörigkeit aus.

Für besonders gefährlich hält Schmidt speziell Fotoplattformen wie Instagram nicht. Egal, wie sich die Jugendlichen fühlen, in Fotoplattformen sind sie mit Usern konfrontiert, die sich nur von ihrer besten Seite zeigen und glücklich wirken. Allerdings begegnen uns diese unrealen Darstellungen überall in der Gesellschaft, ob in Werbungen oder in Fernsehsendungen wie ,,Germany‘s next Topmodel‘‘. Nicht nur soziale Medien üben daher Druck auf Jugendliche aus. ,,In unserer Gesellschaft ist es üblich, sich in den meisten Bereichen sich nur positiv darzustellen,‘‘, sagt Dr. Schmidt. Er rät denjenigen, deren Selbstwertgefühl durch Social Media leidet, sich an Eltern oder Lehrer zu wenden. Sie könnten sich auch im Freundeskreis über die bearbeiteten Bilder auszutauschen.

Alles nur Bearbeitung?

Die Userin zeigt ihr Bild in bearbeiteter und unbearbeiteter Form. Sie appeliert an ihre Follower, zu ihren Körpern zu stehen.

‼️IMPORTANT MESSAGE‼️My Natural shape vs photoshop But guess what, also my natural shape vs someone else's natural shape!!! . This whole "look what photoshop can do" hype is great but we actually have to keep it real too. Yes more real than just showing our OWN natural shape vs photoshop. I posted about the subject a month ago but I'm just gonna harrass you with it again cause I find it so important . See this is MY natural shape. Nothing wrong with it but I don't have that ⏳shape. HOWEVER, there are women who do! Just because someone's body is different than yours doesn't mean they had plastic surgery or it's photoshopped . It's sad that people are claiming that all bodies you think are "goals" are fake or photoshopped cause that's not the truth There are women out there with hourglass figures, there are women which have completely transformed their bodies‍♀️ . Imagine a woman being insecure about her natural⏳ shape who keeps getting comments saying: stop photoshopping your pics, it looks ugly af. Or a woman who put years of hard work into her body getting comments it's "fake"‍♀️ That hurts doesn't it? . I'm posting this cause I want you to realise there are all kinds of bodies and they're all equally beautiful! Yes you can lose weight or grow a booty but that doesn't make you beautiful It just changes you, the beauty was already there! It's okay to have physical goals but always rember that you are beautiful no matter what! The most beautiful women are happy women!✨ . It's important to know that photoshop is present but that doesn't mean everything is suddenly fake. Also I know you mean well but I don't need to hear that I don't need photoshop cause my own body looks "better" than the curvy one. They are just different body types and they're both beautiful! So is the shape with a little "less curves" than I have! ALL BEAUTIFUL! ❤❤ . Curvy isn't better than skinny & skinny isn't better than curvy They're different, that's it! STOP COMPARING YOUR BODY TO OTHERS! I was born with this body and I'm proud of it. Now go be proud of your body!❤ Raise your hand if you think all bodies are beautiful! #imreswarriors

Ein Beitrag geteilt von Imre Çeçen imrececen.com (@imrececen) am

Mehr zum Thema Internet und Technik lesen Sie hier!

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht