MyMz

U-23-EM

Corinna Harrer sucht die atemberaubenden Momente

Regensburgerin fährt mit Medaillenträumen über 1500 Meter und in starker Form nach Ostrava.
Von Claus-Dieter wotruba, MZ

Sie rennt auch Jungs davon: Corinna Harrer bei ihrer famosen 800-Meter-Bestzeit in Neustadt mit ihren Mitstreitern Jonas Fischer (links) und Gerit Wagner (im Hintergrund) Foto: Kiefner

REGENSBURG. So ändern sich die Zeiten: Als Grundschulkind ließ Corinna Harrer ihrer Zwillingsschwester Carina im Sport den Vortritt – aus Unlust am Laufen. Heute läuft die 20-jährige Wenzenbacherin liebend gern und in Deutschland allen davon, vielleicht sogar in Europa. Bei der U-23-Europameisterschaft, die von heute bis Sonntag im mährischen Ostrava stattfindet, startet die Läuferin der LG Telis Finanz Regensburg über 1500 Meter und hegt Medaillenträume. Am Samstag (10.10 Uhr) stehen zu unbeliebter Morgenstunde die Vorläufe an. Geht alles nach Plan folgt am Sonntag um 16 Uhr der Endlauf (live auf Eurosport).

Eine unheimliche Serie

„Das Leben besteht nicht aus Momenten, in denen du atmest, sondern aus denen, die dir den Atem rauben.“ In der Team-Broschüre der Team-Europameisterschaft in Stockholm, wo Harrer ihr Debüt in der A-Nationalmannschaft gefeiert hatte, steht das Filmzitat aus „Hitch – Der Date Doktor“ mit Will Smith. Harrer hat ihn zum Wahlspruch erkoren, und er passt aktuell wie die Faust aufs Auge. „Meine Serie in dieser Saison ist mir fast selbst unheimlich“, sagt Harrer, die bislang nur Bestzeiten produzierte.

Der jüngste Coup war der von Neustadt/Waldnaab, wo das vielseitige Talent im letzten Test vor der EM ihren 800-Meter-Hausrekord auf 2:01,85 drückte – eine Zeit, die auch auf dieser Strecke europaweit in der U 23 Platz vier bedeutet. „Dabei hat sich das total langsam angefühlt“, konnte es Harrer Tage danach kaum glauben. Ihre Klubkameraden Sebastian Reinwand und Jonas Fischer taten zwar, was sie konnten, doch letztlich war Corinna Harrer weitgehend auf sich gestellt. „Den Basti habe ich sogar aus der Bahn geschoben, sonst wäre ich ihm in die Hacken getreten“, berichtet sie.

Motivationshilfe vom Vorbild

In Neustadt, dem Heimatrennen ihres Vorbilds, traf sie auch wieder auf Claudia Meier-Gesell. Die einstige Weltklasseläuferin war 1999 U-23-Europameisterin in ihrer Paradedisziplin und sprach ihrer möglichen Nachfolgerin wie schon bei der Sparkassen-Gala in Regensburg Mut zu. „Sie sagte, ich soll nicht aufgeregt sein und wäre auf allen Strecken drüber und drunter saugut drauf“, sagt Harrer. „Positive Worte von jemanden mit so einer Vergangenheit tun gut.“

Die Form jedenfalls stimmt. Doch anders als bei der U-20-EM von Novi Sad, wo Corinna Harrer sich vor zwei Jahren mit Silber noch selbst überraschte, ist die Lage eine andere. „Damals kam ich als Achte, Zehnte oder Zwölfte, jetzt kann ich abstürzen.“ Die Britin Stacey Smith, die sich in Birmingham in 4:06,81 auf Europa-Position eins lief, hat sie in Watford aber heuer schon geschlagen. Die Türkin Tugba Karakaya, die im Mai eine 4:09,19 erzielte und auch vor Harrer (4:09,63 eben in Watford) steht, gilt als die Unbekannte. „Da kommen sicher noch ein paar Russinnen“, sagt Harrer-Trainer Kurt Ring. „Und das Profil einer Smith hat auch Coco drauf.“

Die Regensburgerin, die nach der Auflösung der Telis-Athletenwohnung in Winzer nach Kumpfmühl umgezogen ist, wird nicht die einzige Deutsche im 1500-Meter-Rennen sein. Dass freilich die Sujew-Zwillinge Elina und Diana, die selbst Nummer fünf und sieben Europas sind, gemeinsame Sache mit ihr machen, hält Corinna Harrer für eher unwahrscheinlich. „Das Verhältnis ist okay, aber so gut auch wieder nicht“, sagt sie.

Doch die junge Läuferin ist es seit langem gewohnt, im Rennen auf sich gestellt zu sein. Und vielleicht bringt Corinna Harrer ihr letzter großer Auftritt in einer Nachwuchs-Kategorie ja noch einen weiteren Moment, der ihr den Atem raubt.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht