MyMz

WEITSPRUNG

Weitzels Jahr der unendlichen Weiten

„Besser geht es nicht“: Die Regensburger Athletin von der LG Telis Finanz darf zur Universiade nach China und liebäugelt mit Südkorea und London.
Von Claus-Dieter wotruba, MZ

Eine fröhliche Saison voller guter Leistungen erleben die Regensburger Weitspringerin Michelle Weitzel und ihre Trainerin Steffi Pietsch. Foto: Lex

REGENSBURG. Zeitgleich zum MZ-Anruf kam das Mail des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes (ADH) mit der Nominierung: Michelle Weitzel ist dabei. Als eine von 116 bisher fixen Startern vertritt die Regensburger Weitspringerin Deutschland bei der Universiade von 12. bis 23. August in Shenzhen in China, wo 13 000 Sportler aus mehr als 170 Nationen erwartet werden. Und damit ist auch klar: Die 24-jährige Studentin, die das blaue Trikot der LG Telis Finanz Regensburg trägt, hat eine traumhafte Saison hinter sich – schon bevor die Saison-Höhepunkte kommen.

Michelle Weitzel wollte zur Hallen-Europameisterschaft nach Paris: Geschafft! Sie wollte 6,60 Meter springen: Geschafft in der Halle beim DM-Titel in Leipzig (6,61) und auch im ersten Freiluft-Wettkampf des Jahres Ende Mai in Weinheim (6,64). Sie wollte zur Universiade: Jetzt ist auch das geschafft! „Besser hätte es nicht laufen können“, sagt Weitzel über die bisherigen sechs Wettkämpfe.

Das Problem mit dem Balken

Schnell ist angesichts einer famosen Konstanz im Jahr 2011 vergessen, dass so ein Leistungssprung vor einem Jahr nur Hoffnung war. Ein zweiter Platz beim Meeting vergangene Woche in Biberach stellt nicht rundherum zufrieden, weil es „nur“ 6,48 Meter und bisherige Saison-Minusmarke waren. „Das ist persönliche Bestweite – jedenfalls für meine Sprünge ohne Brett“, nimmt Weitzel sich auf ihrer gerade in Betrieb gegangenen, grafisch sehr hübsch gestalteten Homepage (www.michelle-weitzel.de) selbst dafür auf die Schippe, dass sie öfter den Balken nur mit Mühe trifft. Auch die windunterstützten 6,52 Meter vom vergangenen Wochenende beim traditionellen Weitsprung-Wettkampf von Bad Langensalza machen Michelle Weitzel, die zweitbeste Deutsche war, nur noch „nicht ganz unzufrieden“.

Vielleicht wird das am Sonntag in Dillingen wieder anders: Dort, wo Michelle Weitzel vor einem Jahr überraschend gewann und ihre Bestleistung mit einem Satz um 15 Zentimeter nach oben auf 6,49 Meter schraubte. „Ja, es stimmt“, sagt Weitzel, „man vergisst schnell, dass die 6,60 Meter heuer schon in mehrfacher Ausführung stehen und der schlechteste Wettkampf gerade einen Zentimeter unter der Bestmarke des Vorjahres liegt.“

Ein wenig liebäugelt die Wahl-Oberpfälzerin, die aus Hessen stammt, auch noch mit der WM in Daegu. Den Weg dorthin könnte die Heimat weisen, denn die deutsche Meisterschaft findet in Kassel statt. „Wenn ich dort keine Medaille gewinne, bin ich unzufrieden“, sagt Weitzel, die in der nationalen Rangliste aktuell Rang vier belegt. „Am liebsten wäre mir eine Medaille mit einer Weite von 6,60 Metern aufwärts“, sagt sie und scherzt wieder: „Mit meiner Trainerin Steffi Pietsch habe ich ausgemacht, dass alles in Ordnung ist, solange ich bei der DM Bestleistung schaffe.“ Für die WM bedürfte es aber einer Norm von 6,75 Metern.

Weitblick im Lehramtsstudium

Auf dem Weg nach Kassel macht Michelle Weitzel eine Woche vorher bei den bayerischen Titelkämpfen in Passau Station. „Ich werde über 100 Meter einen Schnelligkeitstest absolvieren und den Weitsprung-Wettbewerb am Sonntagmorgen als Techniktraining benutzen“, sagt Weitzel.

Am liebsten würde sie auch Shenzhen als Test nutzen – für die Olympischen Spiele 2012 in London. Im Studium (8. Semester, Lehramt für Sport und Mathematik) in Regensburg jedenfalls arbeitet Michelle Weitzel („Ich stehe gerne auf zwei Beinen“) schon vor: Sportpraxisprüfungen, erziehungswissenschaftliches Examen, Psychologie – all das steht an. „Und für Mathe muss ich auch was tun“, sagt Weitzel. „Dann muss ich nämlich nächstes Jahr ein bisschen weniger machen.“ Und sie hat mehr Zeit für eine nächste traumhafte Saison.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht