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Leichtathletik

Ein Sprung in eine ganz andere Welt

Die LG Telis Finanz Regensburg sieht die EM in Helsinki mittlerweile positiv. Für Olympionikin Corinna Harrer kommt der Saisonhöhepunkt erst noch.
Von Benjamin Neumaier, MZ

Der Medienandrang nimmt zu: Läuferin Corinna Harrer sieht es als Bestätigung ihrer Leistung. Fotos: Neumaier

Regensburg. Das hätte sich Corinna Harrer wohl selbst nicht träumen lassen – während sie einem Fernsehteam ein Interview gibt, schwirren zwei Fotografen um sie herum, dazwischen warten die Mitarbeiter der Rundfunkanstalten, die Diktiergeräte im Anschlag, auf ein Statement der Regensburger Olympionikin.

„Kommende Woche dreht der BR mit mir eine Homestory, demnächst haben wir mit unserem Team wohl eine Einladung zu Blickpunkt Sport und bei der EM wollten alle möglichen Medienvertreter ein Statement von mir“, sagt die 21-Jährige bei der Pressekonferenz der LG Telis Finanz gestern Nachmittag in Regensburg. Noch sei ihr der Rummel aber nicht zu viel, „ich sehe es eher als Bestätigung meiner Leistungen.“

Mit ihren Leistungen bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Helsinki – 9. Platz über 1500 Meter – hadert sie aber immer noch: „Ich war eine Sekunde nicht konzentriert und habe den Zeitpunkt verpasst, als das Rennen schneller wurde. Ich habe mich danach richtig geschämt.“ Sie habe wohl zu hohe Erwartungen an sich selbst gestellt, schließlich habe sie „die Konkurrenz im Vorlauf dominiert. Ich dachte auch am Finaltag, ich könnte die Welt einreißen“, sagt Harrer.

Diese Dominanz sah auch LG-Cheftrainer Kurt Ring – und war deshalb enttäuscht. Nach einer eingehenden Analyse, freut er sich darum erst im Nachhinein – über die Ergebnisse aller seiner Schützlinge: „Nach überragenden Vorstellungen am Samstag von Florian Orth und Corinna bin auch ich enttäuscht heimgereist. Der Sonntag hat uns nicht gemocht“, sagt Ring. Doch jetzt sehe er es anders: „Wir haben einen Sprung in eine andere Welt gemacht. Es war die erste internationale Großveranstaltung. Die Enttäuschung ist völlig unbegründet.“ Denn bei den vergangenen vier Europameisterschaften bis 2010 seien insgesamt acht Laufsportler aus Bayern gestartet – 2012 waren es vier aus Regensburg. „Der neunte Platz unserer Kleinen ist eine super Leistung, Florian Orth hatte Pech bei seinem Sturz und Philipp Pflieger lief am Limit.“

Pflieger selbst sieht seinen 15. Platz über 5000 Meter mittlerweile positiv: „Nach dem Rennen war ich enttäuscht, aber es war meine erste EM. Und unter den Top 15 in Europa zu sein, hätte ich mir vor einem Jahr gar nicht vorstellen können.“ Der 24-Jährige hatte ein schwieriges Jahr 2011, stieg erst im Herbst nach knapp elf Monaten Laufpause wieder ins Training ein. 2013 will er noch weiter oben angreifen: „Ich kann 2013 auf die 5000 Meter eine Zeit um 13.20 laufen. Das könnte für die WM-Quali reichen – aber es wird verdammt hart.“

Die EM in Finnland erlebte Weitspringerin Michelle Weitzel nur als Zuschauerin. „Mein Sprungfuß ist verletzt – für Top-Leistungen muss der Körper aber mitspielen. Ich muss mich auskurieren und deshalb ist die Saison für mich beendet“, sagt sie. Nach einer Rehabilitationszeit von etwa einem Monat werde sie wieder ins Aufbautraining einsteigen.

Aufbauen, davon sprach auch Kurt Ring auch kurz nach dem 1500-Meter-Finale der Frauen von Helsinki und der „Enttäuschung“ von Harrer. Mittlerweile hört sich das anders an. „Das Halbfinale wäre ein Riesenerfolg, aber auch wenn Coco das drin hat, ist es absolut kein Muss“, sagte Ring.

Corinna Harrer strahlt schon wieder wie das blühende Leben. Sie freue sich schon auf Olympia, besonders auf das ganze Drumherum: „Da isst man im selben Restaurant wie etwa Usain Bolt – das ist doch Wahnsinn.“ Außerdem habe sie vor lauter Terminen sowieso keine Zeit nachzudenken: „Neben Training, Einkleiden für Olympia oder der Verabschiedung durch Bundespräsident Gauck hab ich ja noch ein Privatleben.“ Und außerdem lassen die Medienvertreter auch nicht locker.

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